Der Wundermann: N.N., Bistum Augsburg

Am 19. April 2005 wurde Joseph Ratzinger in Rom zum Oberhaupt der katholischen Kirche gewählt. Nur drei Monate später ernannte der Papst aus Bayern seinen alten Bekannten Walter Mixa zum Bischof von Augsburg. Es war die erste deutsche Bischofsernennung von Benedikt XVI. - und es war zugleich ein schlimmer Fehlgriff. Mixas Amtszeit währte nicht einmal fünf Jahre, er musste nun unter unappetitlichen Begleiterscheinungen zurücktreten, und die Folgen für das Bistum Augsburg, das mit 1,4 Millionen Gläubigen zu den bedeutendsten unter den 27 deutschen Bistümern zählt, sind desaströs. Mehr als 6600 Katholiken haben allein in den ersten fünf Monaten dieses Jahres in der Diözese die Flucht aus der Kirche angetreten, das Bistum ist gespalten, Traditionalisten und Mixa-Anhänger sowie liberale und fortschrittlich denkende Laien und Priester stehen sich unversöhnlich gegenüber. Alles wartet jetzt auf den neuen Bischof, und niemand hätte Verständnis, wenn die Entscheidung des Papstes angesichts der Zerrissenheit des Bistums zu lange auf sich warten ließe. Eine Vorschlagsliste des Domkapitels hat den Vatikan bereits erreicht. In der Öffentlichkeit werden zahlreiche Namen gehandelt, die von Augsburgs Weihbischof Anton Losinger bis zum Würzburger Generalvikar Karl Hillenbrand reichen. Einen weiteren Fehlgriff kann sich der Papst nicht erlauben. Der neue Bischof wird vielmehr ein Wundermann sein müssen, soll er all die Probleme lösen, die sich unter Walter Mixa im Bistum aufgetürmt haben. Schon jetzt zeichnet sich bis 2025 ein so gravierender Priestermangel ab, dass Seelsorge in der heutigen Form dann nicht mehr möglich sein wird.

aro

Bild: dpa 27. Juni 2010, 14:022010-06-27 14:02:56 © SZ vom 26.06.2010/afis