Der Festgehaltene: Wilhelm Schraml, Passau

In Passau glaubt man zu wissen, dass Bischof Wilhelm Schraml dem Papst überhaupt nicht gram ist, obwohl der das altersbedingte Rücktrittsgesuch des Kirchenmannes im März nicht angenommen hat. Denn zu gerne wollte Schraml, der an diesem Wochenende 75 Jahre alt wird, zwei andere Jubiläen, die ihm weit mehr bedeuten, noch als amtierender Bischof begehen: seine Bischofsweihe vor 25 Jahren und die Weihe zum Priester vor 50 Jahren. Beide Feierlichkeiten stehen im Jahr 2011 an. Doch es gibt mittlerweile auch im Bistum Passau Kirchenmitglieder, die es sehr begrüßt hätten, wenn Papst Benedikt den Oberhirten aufs Altenteil geschickt hätte.

Zu ihnen zählt der Unternehmer Wolfram Hatz, der in Ruhstorf an der Rott eine Motorenfabrik mit 1000 Beschäftigten leitet. Um Hatz hat sich eine Gruppierung gebildet, die sich "Besorgte Christen" nennt und das Amtsverständnis und den Führungsstil des Bischofs schon seit längerem mit Argwohn und Kritik begleitet. Schraml missachte die Mitarbeit der Laien, treffe selbstherrliche Personalentscheidungen und demotiviere Pfarrer und kirchliche Mitarbeiter, so lauten die Vorwürfe. "Bischof Schraml ist cholerisch und selbstverliebt, im Ordinariat geht die Angst um", sagt Hatz, "meinen Betrieb könnte ich jedenfalls nicht so führen."

Alle Versuche, den Bischof und seine Kritiker an einen Tisch zu bekommen, sind bislang gescheitert. "Das Angebot zum Gespräch im Haus des Bischofs steht", sagt Bistumssprecher Wolfgang Duschl. Doch Unternehmer Hatz besteht auf einem Treffen an einem neutralen Ort, der auch ein Pfarrzentrum sein könne: "Ich lasse mich doch nicht einfach vorladen."

aro

Bild: ag.ddp 27. Juni 2010, 14:022010-06-27 14:02:56 © SZ vom 26.06.2010/afis