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Katholische Kirche:Missbrauchsopfer unter Regensburger Domspatzen erhalten Entschädigung

Regensburger Domspatzen

Die Regensburger Domspatzen.

(Foto: picture alliance / dpa)
  • Die Kirche will den Opfern zwischen 5000 und 20 000 Euro zahlen.
  • Der Regensburger Bischof entschuldigt sich mit den Worten: "Ich kann es nicht ungeschehen machen und die Betroffenen nur um Vergebung bitten."

Nach Jahren des Konflikts kommen sich die katholische Kirche und die Opfer des Missbrauchsskandals bei den Regensburger Domspatzen näher. "Wir haben etwas erreicht, von dem wir jahrelang geträumt haben", sagte der frühere Domspatz Alexander Probst am Mittwoch bei einer gemeinsamen Pressekonferenz von Opfer- und Kirchenvertretern.

Seit Februar hatte das Gremium über die angemessene Aufarbeitung der jahrzehntelangen Übergriffe verhandelt, nun wurden Ergebnisse präsentiert. Unter anderem sollen die Opfer eine finanzielle Entschädigung bekommen, je nach Schwere der körperlichen und sexuellen Übergriffe zwischen 5000 und 20 000 Euro. "Es ist ein Zeichen, dass wir es ernst meinen", sagte Regensburgs Bischof Rudolf Voderholzer.

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Außerdem verkündete das Gremium, für die Opfer eine unabhängige Beratungsstelle beim Münchner Informationszentrum für Männer (MIM) einzurichten. Diese Anlaufstelle war eine der wichtigsten Forderungen der Opfervertreter, damit sich die Betroffenen mit ihren Anliegen nicht länger direkt an die Kirche oder den von der Kirche eingesetzten Aufklärer wenden müssen.

"Sie dürfen mir glauben, es schmerzt mich, und mir tut jeder einzelne Fall in der Seele weh", sagte Bischof Voderholzer. "Ich kann es nicht ungeschehen machen und die Betroffenen nur um Vergebung bitten." Zur Rolle seines Vorgängers Gerhard Ludwig Müller wollte sich Voderholzer aber auch diesmal nicht äußern. Dieser hatte sich nie um Aussöhnung bemüht, nachdem vor sechs Jahren die ersten Missbrauchsfälle bekannt geworden waren. Bis zum Ende seiner Amtszeit im Jahr 2012 hatte Müller stets von "Einzelfällen" gesprochen und sein Bistum als Opfer einer Medienkampagne dargestellt.

Sein Nachfolger entschuldigte sich Anfang des Jahres zwar bei den Betroffenen, doch musste auch Voderholzer sich vorwerfen lassen, die Täter weiterhin in Schutz zu nehmen. Man habe nicht das Recht, von Tätern zu sprechen, weil niemand rechtskräftig verurteilt worden sei, hieß es noch vor wenigen Monaten aus dem Bistum.

Den Höhepunkt erreichte die öffentliche Kritik am Bistum nach dem Zwischenbericht des Regensburger Rechtsanwalts Ulrich Weber, der von der Kirche damit beauftragt worden war, die Vorfälle bei den Domspatzen als unabhängiger Gutachter aufzuklären. In Webers Bericht vom vergangenen Januar war plötzlich die Rede von 600 bis 700 früheren Domspatzen, die zwischen 1953 und 1992 von Priestern, Lehrern und Erziehern körperlich misshandelt oder sexuell missbraucht worden waren.

In acht Monaten Recherche hatte der Anwalt damit mehr als vier Mal so viele mutmaßliche Opfer ermittelt als das Bistum zuvor in fünf Jahren eigener Aufklärungsarbeit. Doch statt die neuen Zahlen zu kommentieren, schwieg Bischof Rudolf Voderholzer zunächst. Es dauerte fast drei Wochen, bis er einräumte, dass "die in der Vergangenheit unternommenen Versuche einer Selbstkorrektur zu wenig wirksam" gewesen seien.

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