Geschichte Maximilian I.: Kaiser und "Bürgermeister von Augsburg"

Der Kaiser, wie ihn Albrecht Dürer sah.

(Foto: privat)

Vor 500 Jahren hatte der Habsburger eine enge Verbindung ins heutige Schwaben. Er weilte dort Dutzende Male und stiftete das Tänzelfest.

Von Hans Kratzer, Kaufbeuren

Ob Kanzlerin Angela Merkel jemals in Kaufbeuren war? Google und Konsorten liefern dazu keine Antwort. Auch über das Verhältnis von EU-Granden und Kaufbeuren verrät das Netz absolut nichts. Ein schwacher Trost: Zumindest Ministerpräsident Markus Söder war schon mehrmals in Beira, wie die im Norden des Allgäus gelegene Stadt im Dialekt genannt wird. Trotzdem: Früher war in Kaufbeuren mehr Lametta, würde wohl der Satiriker Loriot sagen.

Vor gut 500 Jahren weilten Großkopferte aus der Weltpolitik noch regelmäßig in Kaufbeuren. Kaiser Maximilian I., einer der mächtigsten Europäer überhaupt, schaute oft vorbei, mehr als 40 Mal weilte er in der Stadt, das ist aktenmäßig verbürgt. Die Kaufbeurer haben diese ehrenvolle Zuwendung nicht vergessen. Ein Höhepunkt im Jahreslauf ist das Tänzelfest, das älteste Kinderfest in Bayern. Der Überlieferung nach soll Maximilian den Kaufbeurern dieses Fest anlässlich eines Besuches im Jahr 1497 gestiftet haben. Da diese These auch von Historikern gestützt wird, ist Maximilian seit 1959 eine Hauptfigur des Tänzelfests.

In historischen Kostümen ziehen Scharen von Kindern beim großen Festumzug des Tänzelfests durch die Stadt Kaufbeuren. Das Tänzelfest geht vermutlich auf eine Stiftung des Ur-Europäers und Kaisers Maximilian I. zurück.

(Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)

Maximilians enge Verbindung ins Allgäu mag auf den ersten Blick verwundern. Der 1459 in Wiener Neustadt im heutigen Niederösterreich geborene Herrscher entstammte dem Hause Habsburg. Er war von 1486 an römisch-deutscher König, von 1493 an Herr der Habsburgischen Erblande und vom 4. Februar 1508 bis zu seinem Tode am 12. Januar 1519 römisch-deutscher Kaiser.

In Österreich wird um diesen Mann auch 500 Jahre nach dessen Tod ein Brimborium gemacht. Das bestätigt zum Beispiel ein aktueller Bericht der Vorarlberger Nachrichten. "Kaiser Maximilian zieht immer noch", war dem Blatt vor wenigen Tagen zu entnehmen. Beispiele gibt es genügend. Am 12. Januar fand in Wiener Neustadt das Requiem zum 500. Todestag des Kaisers statt. Das Land Tirol hat außerdem das Jahr 2019 zum "Maximilianjahr" ausgerufen. In mehreren Burgen und Schlössern wird der große Kaiser aus dem Hause Habsburg mit Ausstellungen und Veranstaltungen gewürdigt.

Maximilian I. regierte in einer Zeit, die von epochalen Veränderungen geprägt war. Neue Phänomene wie Buchdruck und Reformation hatten eine ähnliche Wirkung wie die alles umstürzenden Erneuerungen der Gegenwart. Durch Erbschaften, Kriege und Heiraten legte Maximilian schon als Erzherzog von Österreich die Fundamente für das habsburgische Weltreich. Indem er Maria von Burgund zur Frau nahm, fiel ihm das reiche burgundische Erbe zu. Durch Verheiratung seiner Familienmitglieder gewann er für die Habsburger außerdem Spanien, Böhmen und Ungarn. Diese Expansion zog eine lange Kriegsnot nach sich. In vier Jahrzehnten führte er 25 Feldzüge, in denen er seinem Beinamen "der letzte Ritter" durchaus gerecht wurde. Ritterliche Traditionen und Turniere gefielen ihm sehr. Zugleich gilt er als der erste Herrscher der Neuzeit, nicht zuletzt weil er die neuesten Medien seiner Epoche, Buchdruck und Holzschnitt, geschickt für seine Propaganda nützte.

Unter anderem wegen seiner prunkvollen Hofhaltung und seiner Kriege hatte Maximilian I. enorme Schulden. Ständig musste er neue Kredite bei seinem Hausbankier Jakob Fugger aufnehmen, weshalb er sich oft in Augsburg aufhielt. Der französische König Franz I. soll ihn sogar als "Bürgermeister von Augsburg" verspottet haben. Auch in der freien Reichsstadt Memmingen nächtigte Maximilian I. des öfteren. Dass er Kaufbeuren von 1496 bis 1518 mehr als 40 Mal besucht hat, halten Experten mittlerweile für gesichert.

Fresko am ehemaligen Fuggerhaus in Augsburg: Es zeigt den Rat der Reichsstadt vor Maximilian I., der sich von Jakob Fugger stets viel Geld lieh.

(Foto: Süddeutsche Zeitung Photo/Scherl)

Ein Grund für seine Besuche dürfte gewesen sein, dass einer der Ratgeber des Kaisers der gebürtige Kaufbeurer Kunz von der Rosen war (1470-1519). Welch eine schillernde Person er war, zeigt sich schon daran, dass er in mehreren Werken von Heinrich Heine und Heinrich von Kleist aufscheint. Karl Ilgenfritz von der in Kaufbeuren ansässigen Deutschen Ganghofer-Gesellschaft sagt, Kunz habe als eine intelligente Form eines "Hofnarren" gegolten, der seine Umgebung zum Nachdenken anregte. Der Kaufbeurer Künstler Daniel Hopfer (1470-1536) fertigte ein Porträt des Kunz von der Rosen an, das aber häufig als Porträt des Seeräubers Klaus Störtebeker deklariert wurde.

Der letzte Kaufbeuren-Besuch Maximilians wird auf den 8. Oktober 1518 datiert. Das war kurz nach seiner Abreise vom Reichstag in Augsburg, bei dem später auch der Reformator Martin Luther verhört wurde. In Kaufbeuren wie in Augsburg wurde erörtert, wie Maximilians Enkel Karl dessen Nachfolge antreten könnte, was dann nach dem Tod des Kaisers im Januar 1519 mithilfe von Fuggers Geld auch geschah. Maximilians prunkvolles Grabmal in Innsbruck blieb leer - er ruht in der Georgskirche der Burg von Wiener Neustadt.

Sein Enkel Karl V. herrschte über ein Weltreich, in dem die Sonne nie unterging. Auch er hinterließ Spuren im heutigen Bayern. Die schöne Barbara Blomberg aus Regensburg war die Mutter seines Sohnes Don Juan de Austria, des Siegers der Seeschlacht von Lepanto, in der die christlichen Mächte anno 1571 einen bedeutenden Sieg über das Osmanische Reich errangen.