Streit um Kulturförderpreis der Stadt RosenheimDie Band „Kaffkiez“ wehrt sich gegen Vorwürfe der AfD

Lesezeit: 3 Min.

Die Musiker von „Kaffkiez“ bei ihrem Protestkonzert auf dem Rosenheimer Max-Josefs-Platz.
Die Musiker von „Kaffkiez“ bei ihrem Protestkonzert auf dem Rosenheimer Max-Josefs-Platz.
David Gottwald

Die Band „Kaffkiez“ soll den Kulturförderpreis Rosenheim bekommen. AfD-Politiker kritisieren die Entscheidung heftig, werfen den Musikern vor, „den moralischen Zeigefinger gegen die eigene Heimat“ zu erheben. Wie die Band darauf reagiert.

Von Oliver Hochkeppel

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Wer schon einmal mit Preisverleihungen zu tun hatte, weiß, dass es bestimmte Regeln gibt. Zum Beispiel eine Sperrfrist für die Verkündung. An die hätte sich auch die Band Kaffkiez gehalten, als sie erfahren hat, dass sie im Oktober 2026 den diesjährigen Kulturförderpreis der Stadt Rosenheim bekommt: „Wir wollten Ende September von uns aus damit rausgehen, bis dahin sollte es nicht kommuniziert werden. Bis wir eher zufällig von der Pressemitteilung der AfD erfahren haben“, erzählt Johannes Eisner, der Leadsänger der Band.

Darin kritisiert die Rosenheimer AfD die Vergabe an Kaffkiez heftig. Die Fraktion reagiere auf die „zunehmend aggressive politische Positionierung“ der Band, die mit dem „angedachten verbindenden Charakter eines städtischen Preises unvereinbar“ sei. Die Band habe in der Vergangenheit dazu aufgerufen, gegen Rechts aktiv zu werden, und mache „keinen Hehl daraus, dass sie Bühne und Reichweite gezielt für einseitige politische Kampagnen nutzen.“ Sie rufe dazu auf, „Andersdenkende gesellschaftlich auszugrenzen“ und erhebe „den moralischen Zeigefinger gegen die eigene Heimat und gegen die ländliche Bevölkerung“. Deswegen sei die Verleihung des Kulturförderpreises „ein Kniefall vor dem politisch korrekten Zeitgeist und ein Affront gegen all jene Bürger, die eine andere politische Meinung vertreten“.

Dazu sollte man zunächst einmal feststellen, dass Kaffkiez keine explizit politische Band ist. Ihre Songs behandeln vorzugsweise die Lebensthemen junger Leute. Dazu gehört dann höchstens einmal die Kritik am menschenverachtenden Turbo-Kapitalismus wie in „Benz“ oder das Bedauern über das Erstarken rechtsradikaler Tendenzen wie in „Galaxis“. Parteipolitisches wird man vergeblich suchen. „Wir sind keine Politband, wir machen keinen Punkrock. Wir haben nur eine klare Wertehaltung: Für uns sind alle Menschen gleichwertig, und wir verstehen Hass und Diskriminierung als schlechteste Antwort auf all die Probleme da draußen.“

Umso überraschter waren die fünf von den Anwürfen der AfD. „Wir haben zuerst überlegt, ob wir überhaupt was machen. Ob man diesen offensichtlichen Sommerloch-Provokationen überhaupt eine Fläche geben soll. Aber wir wollten das dann doch nicht so stehen lassen, weil die Vorwürfe recht krass sind und in Richtung Schwurbelei gehen“, erklärt Eisner.

„Wenn ich lesen muss, unsere Positionierung gegen Rechtsextremismus sei ‚zunehmend aggressiv‘, dann muss ich sagen: Ich habe das Gefühl, dass ich im Unterricht gut aufgepasst habe und bin der Meinung, dass eine Haltung gegen Rechtsextremismus eigentlich gesunder Menschenverstand ist. Deshalb war es uns wichtig, darauf zu antworten.“

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In Windeseile, nämlich schon vier Tage nach der AfD-Veröffentlichung, stellten die fünf deshalb am vergangenen Freitag ein Benefizkonzert auf dem Rosenheimer Max-Josefs-Platz auf die Beine. Ohne viel technischen Aufwand und Werbung. Mehr als 1000 Leute kamen in die Fußgängerzone, auf geposteten Handybildern sieht man, wie voll und wie gut die Stimmung war. Am Ende kamen 12 432 Euro an Spenden zusammen, die nun am Dienstag dem Stadtjugendring übergeben wurden.

Schon vorab hatten die Jungs 2500 Euro aus der Bandkasse gespendet, exakt die Summe, mit der der Kulturförderpreis dotiert ist. „Wir haben damals in einem kleinen Turm-Café des Stadtjugendrings angefangen. Die bauen gerade einen Bandraum, weil es in der Stadt ja an Übungsräumen stark mangelt. Schön, dass wir da jetzt einen Beitrag leisten können“, sagt Eisner. Nicht die erste Aktion von Kaffkiez in Rosenheim: Sie sind seit einiger Zeit Paten des bundesweiten Projekts „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ am Rosenheimer Karolinengymnasium.

Wir sind stolz auf Kaffkiez.
Oberbürgermeister Abuzar Erdogan

Alle fünf stammen aus der Region, mehrere gingen aufs Karolinengymnasium. Ihrer Heimat blieben sie – wie es schon der Bandname andeutet – bewusst verbunden, auch nach ihrem Durchmarsch in die erste Liga des deutschsprachigen Indie-Rocks in den vergangenen Jahren.

Weswegen Rosenheims Oberbürgermeister Abuzar Erdogan am Freitag auf dem Max-Josefs-Platz noch einmal betonte: „Wir sind stolz auf Kaffkiez. Da steckt so viel Rosenheim und Region und Miteinander in dieser Band. Mit ihrer Musik, die sich großer Beliebtheit erfreut, tragen sie den Namen und das Lebensgefühl unserer Stadt über ihre Grenzen hinaus. Sie setzen mit diesem Konzert ein Zeichen der Toleranz und stärken unsere Kulturarbeit. Was gleichzeitig zeigt, wie wichtig der Kulturförderpreis ist.“

Die Kommentare im Netz zum Konzert und dem ganzen Hickhack seien – „abgesehen von den üblichen Beleidigungen und stupiden, KI-generierten Logos“ – überwiegend positiv gewesen, berichtet Johannes Eisner. „Der Zuspruch war wirklich krass. Die Leute waren von erleichtert bis ergriffen und begeistert von der kleinen Party mitten in der Stadt. Die Hoffnung ist in Erfüllung gegangen, dass wir gezeigt haben: Wir gehören in diese Stadt, wir sind Teil dieser Kultur. Es war ein wunderschönes Erlebnis von Zusammenkommen und Zusammenhalt.“

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