Kabarett und Politik "Ich hoffe auf einen gehörigen Dämpfer für die CSU"

Hat in Bayern immer zu den Verlierern bei der Wahl gehört: Urban Priol

(Foto: Christian Endt, Fotografie & Lic)

Die bayerische Regierungspartei kämpft bei der Landtagswahl am Sonntag um ihren Nimbus als Souverän. Kabarettist Urban Priol prophezeit: Am Tag danach werden wir uns alle wundern.

Interview von Benjamin Emonts

Der Kabarettist Urban Priol fliegt in seiner aktuellen TV-Satiresendung mit einem selbst gebauten Raumschiff ins Weltall, um dem politischen Chaos auf der Erde zu entfliehen. Doch womöglich gibt es für den Unterfranken gar kein Entkommen. Die CSU, die gerade erst Pläne für ein bayerisches Raumfahrtprogramm beschlossen hat, schießt sich bei der Landtagswahl am kommenden Sonntag mit ihrem Captain Markus Söder wahrscheinlich ebenfalls ins Off.

SZ: Herr Priol, CSU und SPD werden am Sonntag wahrscheinlich abgestraft. Wem gönnen Sie die Abreibung mehr?

Urban Priol: Naja, 1980 durfte ich das erste Mal wählen, das war damals die legendäre Wahl Strauß gegen Schmidt. Damals war ich noch stolz, weil man endlich erwachsen war. Aber seitdem warte ich eigentlich auf etwas. Ich habe in Bayern immer zu den Verlierern bei der Wahl gehört. Jetzt hoffe ich schon auf einen gehörigen Dämpfer für die CSU, den sie auch zurecht bekäme.

Glauben Sie nicht, dass Bayern dem Untergang geweiht ist ohne die CSU als Alleinherrscherin?

Dass Bayern so stark da steht, ist in erster Linie den Leuten zu verdanken, die die Stärke erarbeitet und erwirtschaftet haben. Das sind die Leute in den Betrieben, das sind die Leute, die sich ehrenamtlich engagieren, das sind die, die im Alltag einen verdammt guten Job machen. Es ist nicht der CSU zu verdanken. Am Tag nach der Wahl, wenn die CSU womöglich sogar mit den Grünen koalieren muss, werden wir uns noch alle wundern: Die Alpen werden noch stehen, die Seen noch nicht vertrocknet sein, die Flüsse fließen und die Wiesen immer noch grün sein.

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Verlieren Sie als Kabarettist nicht so etwas wie Ihren Hauptgegner, wenn die CSU nach der Wahl womöglich nur noch eine "normale" Partei ist?

Nein. Da hab ich überhaupt keine Angst. Es ging nach Kohl und Schröder weiter, es wird nach Merkel weitergehen und mit einer gezähmten CSU auch. Es wird sehr interessant zu beobachten, wie sie jetzt mit anderen Parteien zusammenarbeiten und sich disziplinieren muss.

Die AfD wird erstmals in den Bayerischen Landtag einziehen. Wird die Sache nicht schon zu ernst für Witze?

Nein, man muss sie bekämpfen mit allen satirischen Mitteln. Sie bekämpft sich ja eigentlich selbst mit dem, was sie oft sagt. Ich sage deshalb: Gebt gerade der AfD mehr Redezeit im Bundestag, besser kann man sie ja gar nicht entlarven.

Die CSU hat versucht, die AfD-Wähler einzufangen...

Ich denke der Weg, wie die CSU versucht hat, sich an die Rechten anzuwanzen, ging völlig nach hinten los. Vielleicht hat ja sogar die CSU da irgendwas draus gelernt: Dass man eine Partei wie die AfD nicht kleinkriegt, indem man ihre Rhetorik übernimmt.

Eine andere Partei, die SPD, wird am Sonntag wohl auch untergehen. Stimmt Sie das auch so fröhlich wie bei der CSU?

Nein, das ist tragisch, weil es eine Partei wie die SPD eigentlich wirklich braucht. Aber auch das war vorhersehbar seit der schicksalsschwangeren Entscheidung im März, nochmals in die tödliche Falle einer Großen Koalition zu tappen. Ausgelöst durch das feige Sich-in-den-Busch-Verkriechen der FDP.

In der Politik geht es ja drunter und drüber zur Zeit, sie wird bestimmt von Schlingerkursen und Grabenkämpfen der Politiker. Kann man sich darüber überhaupt noch lustig machen?

Natürlich, man muss. Wenn man die Sandkastenspiele und Streitereien von den beiden Egomanen Söder und Seehofer sieht - was bleibt einem anderes übrig. Man muss es spöttisch von der Seite betrachten.