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Jubiläum:Dem Verbrechen auf der Spur

Das Bayerische Landeskriminalamt wurde vor 75 Jahren gegründet

Als das Bayerische Landeskriminalamt (LKA) vor 75 Jahren gegründet wurde, da hieß es nicht nur anders und hatte nur ein Hundertstel der Mitarbeiter von heute. Damals hätte sich auch wohl kaum ein Ermittler träumen lassen, was die Kollegen in der Zukunft beschäftigen würde: Cybercrime, digitale Gesichtserkennung, DNA. "Die Kriminalität verändert sich", sagt der LKA-Präsident Harald Pickert. Und mit ihr müssen sich auch die Ermittler verändern: "Der Kriminalist heutzutage muss eigentlich beides intus haben: Er muss die alten Möglichkeiten kennen, analog", sagt Pickert. "Und gleichzeitig muss er wissen: Wie komme ich digital einem Täter auf die Spur?" Ein Beispiel: Insgesamt 649 Tatverdächtige wurden nach LKA-Angaben 2020 mit einem digitalen Gesichtserkennungsprogramm identifiziert, die Tendenz ist seit Jahren steigend. 2019 wurden im Freistaat 397 Identitäten mithilfe eines Algorithmus geklärt - und damit mehr als doppelt so viele wie 2018 (146). Seit 13 Jahren nutzt das LKA die Möglichkeit, Bildmaterial, auf dem unbekannte mutmaßliche Täter zu sehen sind, mit Fotos aus einer Straftäter-Datenbank des Bundeskriminalamtes abzugleichen. Der Algorithmus misst dabei etwa die Abstände zwischen Nase und Mund und filtert so die Menschen aus der Datenbank heraus, bei denen es sich um den Gesuchten handeln könnte. Gesichtsexperten gleichen die Bilder noch einmal ab, um auf Nummer sicher zu gehen.

Ein weiteres Projekt: Der virtuelle Tatort-Besuch. Digital wird der Ort des Verbrechens nachgestellt. "Wir können quasi virtuell diesen Tatort betreten und nach der berühmten Nadel im Heuhaufen suchen", sagt Pickert.

Am 11. Mai 1946 wurde das "Landeserkennungsamt Bayern" mit gerade einmal 20 Mitarbeitern gegründet. Erst ein Jahr zuvor war der Zweite Weltkrieg zu Ende gegangen, München und weite Teile Bayerns lagen in Trümmern. "Das Team der ersten Stunde nahm seine Arbeit mit entsprechend bescheidener Ausrüstung auf", schreibt das LKA in einer Mitteilung. Die Aufgaben damals: Die Polizeidienststellen im Land beim Kampf gegen Kriminalität zu unterstützen. Eingerichtet wurden dafür ein Kriminalnachrichtendienst, ein kriminaltechnisches Laboratorium und ein kriminalwissenschaftliches Institut.

1952 dann bekam es seinen heutigen Namen und mit den Jahren weitere Aufgaben. "Hatten es die Mitarbeiter in den Nachkriegsjahren beispielsweise mit Geldfälschung und mit der Suche von Vermissten zu tun, ist die Behörde heute zudem unter anderem für Ermittlungen in Bereichen der Organisierten Kriminalität, des Polizeilichen Staatsschutzes und der Cyberkriminalität zuständig", heißt es. Seit 2013 ist das LKA außerdem für interne Ermittlungen zuständig.

75 Jahre LKA bedeuten auch ein Stück deutsche Kriminalgeschichte: Das LKA ermittelte nach der Entführung des Unternehmersohns Richard Oetker 1976, nach dem rechtsextremistischen Oktoberfest-Attentat vom 26. September 1980, nach den islamistischen Terroranschlägen von Würzburg und Ansbach 2016 - und nach dem rassistischen Attentat im Olympia-Einkaufszentrum in München im gleichen Jahr.

Innenminister Joachim Herrmann (CSU) gratulierte Pickert am Dienstag in München zum Gründungstag der Behörde, sprach von einem "Leuchtturm", der über die bayerischen Landesgrenzen hinaus strahle.

© SZ vom 12.05.2021 / dpa
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