Mitten in Bayern Ein Jodeldiplom fürs "Bibi Hendl"

Jodeln und gackern wie ein Huhn? Darum geht es im Lied vom "New Bibi Hendl".

(Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)

Das letzte Mannsbild, das die Jodeltradition medial am Leben hält, ist ein Japaner. Wenn sich dagegen Heidi Klum am Jodeln versucht, klingt es wie eine Gesangseinlage von Daisy Duck.

Kolumne von Hans Kratzer

In ruhigeren Zeiten als heute, als der Ministerpräsident Alfons Goppel im Bayerischen Fernsehen noch altväterlich die Weltlage erklärte, da wurde gleich danach, um die Gemütlichkeit nicht abreißen zu lassen, eine Jodelsendung ausgestrahlt. Ein Held dieses Formats war der aus Obersendling stammende Franzl Lang. Er erfreute das Publikum mit dem Kuckucksjodler und dem Königsjodler, und auf dem Gipfel der Fidelität schwindelte er jodelnd, sein Vater sei "a Appenzeller". Wie flüchtig aber der Ruhm eines Jodelkönigs ist, zeigte neulich eine bayerische Radiosendung, bei der die Studiogäste allesamt eingestanden, Lang sei ihnen unbekannt.

In Amerika würde ein solcher "godfather of yodeling" niemals in Vergessenheit geraten. Noch dazu, als die schmächtigen Bürscherl aus der heutigen volkstümlichen Ecke von dem stämmigen Lang auf der Bühne sicherlich auf dem Kraut gefressen worden wären. 20 Goldene Schallplatten wurden ihm überreicht, ein Jodelkünstler konnte es seinerzeit noch zu etwas bringen. Nun aber sind Jodler wie er von der Bildfläche verschwunden, höchstens dass noch eine Episode aus dem Fernseharchiv hervorgekramt wird, jene mit der guten Frau Hoppenstedt etwa, die im Jodelkurs des Meisters Loriot ("Holleri du dödl di, diri diri dudl dö - dö dudl dö") ein Diplom anstrebte.

Dass Jodelkurse überwiegend von Frauen besucht werden, liegt vermutlich daran, dass sie ausdauernder jodeln als die Männer. Andrea Wittmann aus Truchtlaching hat 15 Stunden und 11 Sekunden durchgejodelt, die Männer machten lange vorher schlapp. Im Gegensatz zu Bayern ist Amerika ein Jodelparadies. Mittlerweile jodeln sogar US-Rapper, und selbst die Quietschedame Heidi Klum hat die Tonight Show des Jimmy Fallon mit einer Jodeleinlage geschmückt. Ihr Vortrag klang eher wie eine Gesangseinlage von Daisy Duck, aber das Publikum raste vor Vergnügen.

Das letzte Mannsbild, das die Jodeltradition in Bayern medial am Leben hält, ist ein Japaner. Der am Fuße der Alpen lebende und stets lederbehoste Takeo Ischi ist auf schräge Jodler spezialisiert. Eines davon heißt "Bibi-Hendl", das einschlägige Video wurde bei Youtube schon mehr als 16 Millionen Mal angeklickt. Her mit einem Jodeldiplom für Takeo Ischi!