Auszeichnung für Joachim HerrmannEiner, der dem Ressentiment widersteht

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Bayerns Innenminister Joachim Herrmann erhält die Verdienstplakette der Türkischen Gemeinde Bayern. Hier im Bild mit dem Vorsitzenden der Gemeinde Vural Ünlü (l.) und den beiden Laudatoren Katharina Schulze und Armin Laschet.
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann erhält die Verdienstplakette der Türkischen Gemeinde Bayern. Hier im Bild mit dem Vorsitzenden der Gemeinde Vural Ünlü (l.) und den beiden Laudatoren Katharina Schulze und Armin Laschet. Foto: Thomas Radlmaier

Die Türkische Gemeinde Bayern verleiht Innenminister Joachim Herrmann ihre Verdienstplakette – für eine Integrationspolitik, die nicht spaltet, sondern differenziert.

Von Thomas Radlmaier

Als Innenminister Joachim Herrmann 2018 die Aufgabe erhielt, sich neben der Sicherheit auch um die Integration von Menschen im Freistaat zu kümmern, war die Skepsis groß. Die Türkische Gemeinde Bayern kritisierte Ministerpräsident Markus Söder öffentlich. Der Vorsitzende Vural Ünlü monierte, dass das Sozialministerium und nicht das Innenministerium der richtige Ort für Integrationsfragen sei. Söder beschwichtigte söderisch unter Zuhilfenahme eines Superlativs: Mit Herrmann beauftragte er seinen „besten Mann“ mit dieser wichtigen Herausforderung.

Acht Jahre später erzählt Ünlü diese Geschichte im Münchner Restaurant Pageou. An diesem Dienstagabend verleiht er die „Verdienstplakette“ der Türkischen Gemeinde an eben jenen Joachim Herrmann, um dessen Leistungen für die Integration zu würdigen. Die Skepsis von damals ist Anerkennung gewichen. Der dienstälteste Innenminister Deutschlands zeichne sich durch eine „besonnene und verantwortungsbewusste Rhetorik“ aus, so Ünlü. Anders als viele Politiker habe Herrmann beim Thema Migration nie populistisch zugespitzt und durch seinen Stil die Debatte versachlicht. „Wir sehen sehr viel Respekt“, sagt Ünlü, „und hoffen, dass Sie uns noch lange erhalten bleiben.“

Der Respekt spiegelt sich auch in der Integrationsarbeit wider.
Katharina Schulze

Respekt – das ist ein Wort, das an diesem Abend oft zu hören ist. 14 Menschen sitzen am Tisch, darunter Vertreter aus Politik, Gesellschaft und Wissenschaft. Es ist eine bewusst klein gehaltene Runde. In dem kompakten Setting entfaltet sich ein inspirierendes und kontroverses Gespräch zu Themen, bei denen ansonsten oft undurchlässige Meinungsblasen aufeinanderprallen: Nahost, Ukraine, Migration, AfD oder die Gefährdung der Demokratie durch Social Media. Der Austausch von Argumenten, das buchstäbliche miteinander Sprechen und Zuhören, was auf den Dauererregungsplattformen Facebook oder Tiktok oft misslingt, gelingt hier.

Diese Fähigkeit, der Empörung zu widerstehen, ist ein Markenzeichen von Joachim Herrmann – jedenfalls heben dies die beiden Laudatoren hervor: Katharina Schulze, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag, und Armin Laschet, CDU-Außenpolitiker. Trotz ihrer Rolle als Oppositionsführerin schätze Schulze Herrmann als Mensch und Politiker. Dieser begegne anderen immer mit Respekt und zeige Interesse an der Auseinandersetzung. „Der Respekt spiegelt sich auch in der Integrationsarbeit wider.“ Herrmann werfe nie alle Menschen in einen Topf, sondern er differenziere.

Armin Laschet, der trotz lädierter Schulter durch einen E-Scooter-Unfall gekommen ist, ist so etwas wie ein Pionier der Integrationspolitik; 2005 wurde er in Nordrhein-Westfalen Deutschlands erster Integrationsminister. Er erinnert daran, dass sich während Herrmanns Amtszeit mehrere Anschläge ereignet haben, begangen durch Menschen mit Migrationshintergrund. Doch Herrmann sei nie der Versuchung erlegen, „das Ressentiment heranzuziehen“. Gerade durch diese Eigenschaft tue er Bayern und ganz Deutschland gut.

Herrmann selbst sagt, dass er mit dieser Auszeichnung nicht gerechnet habe. Als Minister für Integration versuche er, „vernünftig und menschlich“ mit dem Thema umzugehen. Er wolle nichts beschönigen: Menschen mit Migrationshintergrund würden aus unterschiedlichen Gründen öfter in Kriminalitätsstatistiken auftauchen. „Doch man darf das, was großartig ist, nicht unter den Tisch kehren. Wir brauchen Migration, um unser Land am Laufen zu halten.“ Zweimal im Jahr begrüßt er neue Staatsbürger bei Empfängen, um ein „positives Signal“ zu senden. Als Politiker dürfe man nicht immer nur Probleme schildern, sondern müsse die Menschen auch ermutigen. Das Gefühl der Ermutigung in schwierigen Zeiten, das geht insgesamt von diesem Abend aus.

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