Jerusalem:"Münztechnologie made in Bavaria"

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Ums Kerngeschäft dreht sich auch der Besuch bei der israelischen Nationalbank, die seit Längerem schon Schekel-Münzen beim bayerischen Hauptmünzamt prägen lässt. "Wir wollen ja auch mit Geld Geld verdienen", sagt Söder, und hofft nach bereits 50 Millionen gelieferten Münzen nun auf einen weiteren Auftrag über 28 Millionen Stück. Als Verkaufsargument dient dabei auch die neuentwickelte Fälschungssicherheit "mit der weltweit einmaligen Münztechnologie made in Bavaria".

Doch auch von kleinen Münzen ist es bei Söder oft nur ein kurzer Schritt zur großen Politik. Eingeschoben ins Programm wird noch ein Besuch beim früheren israelischen Präsidenten Schimon Peres, bei dem sich der nachgeborene CSUler nicht nur deshalb besonders wohlfühlt, weil sich der 92-Jährige wieder mal als leibhaftiger Freund des seligen Franz Josef Strauß zu erkennen gab.

"Das war auch eine Lehrstunde in internationaler Politik", meint Söder. Visionär angereichert tritt er dann am Dienstag noch die Reise nach Ramallah zum palästinensischen Premierminister Rami Hamdallah an, "um zu schauen, wo weitere deutsche Hilfe nötig ist beim Aufbau des Staates". Nach einem halbstündigen Gespräch hinter verschlossenen Türen freut er sich über ein "überraschend deutliches Glaubensbekenntnis gegen den Terrorismus".

Das Treffen steht unter dem Eindruck der Horrornachrichten aus Brüssel. "Das zeigt wieder, wie Europa und der Nahe Osten verschmelzen", meint Söder. "Es ist besser, die Probleme hier zu lösen." Seine Reise wertet er daher auch als "vorausschauende Innenpolitik".

Selten wohl ist er an einem Tag so oft in die Knie gegangen

Zwischendurch aber bleibt noch Zeit fürs Besichtigungsprogramm in Jerusalem. Von den Altstadt-Händlern wird er gleich als Deutscher erkannt, der vielleicht mit einem "Guten Morgen" ins Geschäft gelockt werden könnte.

Von einigen deutschen Touristen aber wird er auch als Markus Söder identifiziert und nach ebenfalls freundlicher Begrüßung mit dem Satz konfrontiert: "Früher waren wir mal bei Ihnen, aber jetzt sind wir in der AfD." Das gibt dem Minister vorausschauend auch auf Reisen zu denken. "Umkehr" ruft er den Renegaten noch im Weggehen zu. Dann zieht es ihn weiter ins fromme Treiben.

Salvatorkirche, Grabeskirche, Erlöserkirche und Dormitio-Abtei - der evangelische Christ und Landessynodale Söder begibt sich auf Speed-Pilgertour. "Das ist etwas Besonderes und ein tiefreligiöses Gefühl", sagt er. An allen heiligen Orten versenkt er sich zur Andacht. Selten wohl ist er an einem Tag so oft in die Knie gegangen - und hat sich dabei um einen Zuwachs an staatsmännischer Statur bemüht.

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