Fußball Jahn Regensburg - Profiteur einer Parteispendenaffäre

  • Der Bauunternehmer Volker Tretzel hat den SSV Jahn mit Millionenspenden unterstützt.
  • Der Mäzen soll so den suspendierten Regensburger Oberbürgermeister Joachim Wolbergs (SPD) mit verschleierten Parteispenden geschmiert haben.
  • Der Jahn-Geschäftsführer Christian Keller bezeichnet den Verein nur als "Spielball", doch die Justiz verdächtigt auch den Jahn-Präsidenten Hans Rothammer.
Von Andreas Glas, Regensburg

Wenn es stimmt, was die Leute so erzählen, dann musste sich der Bauunternehmer Volker Tretzel erst mal schlaumachen, welche Münchner Mannschaft da am Dienstagabend abgestiegen ist. Der könne "Bayern und Sechzig nicht auseinanderhalten", sagt ein früherer Klub-Funktionär über den Mäzen des SSV Jahn Regensburg, der rund zwölf Millionen Euro in den künftigen Zweitligisten gesteckt haben soll.

Sein Engagement beruhe "nicht darauf, dass ich mich für Fußball interessiere", hat Tretzel selbst zugegeben - in einem Schreiben, das er vor eineinhalb Jahren an die Stadt adressierte und das damals nur ein Stück Papier war. Inzwischen liegt dieses Schreiben bei der Staatsanwaltschaft. Es gilt als mögliches Beweisstück im wohl größten kommunalen Parteispendenskandal der Bundesrepublik.

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Der Erfolg des SSV Jahn ist ohne die Person Tretzel nicht zu erklären. Hätten dessen Millionen den Klub damals nicht gerettet, der Jahn wäre wohl pleitegegangen. Damals, 2005, haben sich manche noch gewundert, dass dieser Mann so unfassbar viel Geld in einen Verein investiert, der ansonsten kaum Sponsoren fand. Die meisten regionalen Unternehmen wollten ja nichts zu tun haben mit einem Traditionsverein, dessen Tradition lange darin bestand, peinliche Schlagzeilen zu liefern.

Heute sind die Zeiten vorbei, als der Stromanbieter im alten Jahnstadion den Saft abdrehte und die Spieler kalt duschen mussten, weil der Jahn seine Rechnungen nicht zahlen konnte. Und heute wundert sich keiner mehr, dass sich Tretzel plötzlich so für Fußball interessierte.

Stimmen die Vorwürfe, dann wäre der Erfolg des Jahn auch ein schmutziger Erfolg. Jahrelang soll Mäzen Tretzel den suspendierten Regensburger Oberbürgermeister Joachim Wolbergs (SPD) mit verschleierten Parteispenden geschmiert haben. Mehr als eine halbe Million Euro sind geflossen. Im Gegenzug hat der OB Tretzels Firma wohl ein lukratives Bauareal zugeschanzt. Heikel für den Jahn: Zum Deal gehörte offenbar, dass Tretzel den Klub auch künftig finanziell unterstützt. Das teilte die Staatsanwaltschaft mit, als sie im Januar Haftbefehl gegen Wolbergs und Tretzel erließ. Sechs Wochen lang saßen beide im Untersuchungsgefängnis, beide stehen unter dringendem Korruptionsverdacht. Inzwischen hat Tretzel sein Engagement beim Jahn beendet, ihm gehören aber immer noch 90 Prozent des Klubs.

Baugrund im Gegenzug für die Unterstützung eines Fußballvereins? Fest steht, dass die Stadt Interesse an der finanziellen Gesundheit des Jahn hat. Schon deshalb, weil sie für mehr als 50 Millionen Euro ein neues Stadion gebaut hat. Der Jahn spielt zur Miete, 5000 Euro pro Heimspiel. Ein Minusgeschäft für die Stadt, die zuletzt 3,4 Millionen Euro im Jahr draufzahlte. Es war kein Geheimnis, dass OB Wolbergs den Klub gern ein, zwei Ligen höher sehen würde. Nun, nach dem Aufstieg, steigt die Stadionmiete ja immerhin auf 15 000 Euro.

Und was sagen die Jahn-Bosse zur Korruptionsaffäre? Der Jahn, sagt Geschäftsführer Christian Keller, sei nur "Spielball in diesem Politikum". Eine seltsame Aussage, wenn man die Entscheidungsgremien kennt: OB Wolbergs ist immer noch als Aufsichtsratschef des Vereins gelistet, und der in der Affäre ebenfalls beschuldigte SPD-Stadtrat Norbert Hartl sitzt im Aufsichtsrat der GmbH & Co. KGaA, dem auch ein früherer Mitarbeiter der Firma Tretzel angehörte, der ebenfalls in U-Haft saß. Darüber hinaus verdächtigt die Justiz Jahn-Präsident Hans Rothammer, Aufsichtsratsprotokolle gefälscht zu haben, um mögliches Beweismaterial zu vernichten.

"Dieser Verdacht war von Anfang an falsch und ist mittlerweile vollumfänglich ausgeräumt", sagte Rothammer der Mittelbayerischen Zeitung. "Das hat er gesagt. Das haben nicht wir gesagt, dass sich das erledigt hat", sagt die Staatsanwaltschaft. Wie tief der SSV Jahn tatsächlich in der Affäre steckt, wird sich frühestens in ein paar Wochen zeigen, wenn die Ermittlungen der Justiz abgeschlossen sind. Dann könnte die Aufstiegseuphorie beim Jahn ganz schnell zu Ende sein.

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