Islamische Gemeinde in Nürnberg Zum Klettern in die Moschee

Im ehemaligen Aufzugsschacht befindet sich die Kletterwand.

Offen sein für alle - das ist das Ziel der Islamischen Gemeinde im Nürnberger Stadtteil Gostenhof. An der neugeschaffenen Kletterwand im Aufzugschacht des Gemeindezentrums können sich nicht nur Muslime versuchen und dabei in luftiger Höhe einen Blick in den Gebetsraum werfen.

Von Olaf Przybilla

Ahmad al-Khalifa ist eigens von München nach Nürnberg aufgebrochen, um sich die Eröffnung einer Kletterwand in einer Moschee anzuschauen. Er ist Mitglied im Zentralrat der Muslime in Deutschland und "diese Sache hier in Nürnberg, die ist einzigartig in Deutschland", sagt er, das habe er sich keinesfalls entgehen lassen wollen. Der Mann aus Ägypten fügt dann noch etwas hinzu, und man ist anfangs nicht ganz sicher, ob al-Khalifa das als Scherz meint. Aber nein, beteuert er, diese neue Einrichtung in Nürnberg habe ihn auf eine Idee gebracht, die er seiner Islamischen Gemeinde zu Hause in München demnächst unterbreiten will: "Warum nicht eine Kletterwand auch mal im Inneren des Turms einer Moschee?", fragt al-Khalifa. Er fände das gut.

Jetzt aber ist erst mal eine Moschee-Kletterwand eröffnet worden, und zwar im multikulturellen Nürnberger Stadtteil Gostenhof. Wobei man ein bisschen präzisieren muss: Kletterer müssen sich dort nicht an der Wand eines Gebetsraums entlanghangeln; sondern im Schacht eines ehemaligen Aufzugs eines früheren Lagerhauses, das wiederum inzwischen als Gemeindezentrum der Islamischen Gemeinde in Nürnberg dient. Auf dem Weg nach oben, etwa 15 Meter geht es in die Höhe, können die Sportler aber im zweiten Stockwerk ins Innere des Gebetsraums blicken, durch die Verglasung des früheren Aufzugschachtes. Gestört, sagt Hamed Ktari, werde dadurch gewiss kein Gläubiger in seiner Andacht, "da hört man nichts davon".

Der Tunesier hat mitgeholfen, den Schacht gemeinsam mit Jugendlichen der Gemeinde umzubauen. Nutzen sollen ihn allerdings nicht nur die Gemeindemitglieder. "Zu uns darf jeder kommen", sagt Ktari, "die Öffnung unserer Moschee ist ein großes Ziel für uns." Etwa 40 bis 50 Ethnien und Nationalitäten, so genau hat das noch keiner gezählt, sind in der Gemeinde in Gostenhof vertreten. Gelegentlich, sagt Ktari, sei das nicht ganz unproblematisch: "Ein bisschen chaotisch" verlaufe der Willensbildungsprozess in der Gemeinde, wie das eben so sei, wenn "Leute mit völlig unterschiedlichem kulturellen Hintergrund zusammenkommen". Andererseits sei man solche Debatten durchaus gewohnt in Gostenhof. Denn dort sind Migranten sowieso deutlich in der Mehrheit. Der Umbau des Aufzugs freilich - das Projekt nennt sich "Schicht im Schacht" - sei keiner der wirklich umstrittenen Diskussionspunkte in der Gemeinde gewesen, sagt Ktari.

Unterstützt wird der Bau der Kletterwand vom Projekt "Integration durch Sport" des Landessportverbands. Von einer Initiative also, die "eher sportferne Familien an Bewegung heranführen will", sagt Mark Sauerborn vom Sportverband. Wir sehr sich da eine Gemeinde nach außen öffne, sei "besonders beeindruckend". Zum Kletterlehrer kann man sich in der Moschee künftig auch ausbilden lassen.

Ahmad al-Khalifa findet das alles großartig. Er weiß noch, wie es war, "wenn andere Kinder zum Sport gingen und man selbst ins Gebetshaus". Diese Verbindung hält er deshalb für zukunftsweisend. Aber passt das wirklich zusammen? "Warum denn nicht?", fragt er zurück. Er will nun für Mehrheiten werben für eine noch ungewöhnlichere Kletterwand. "Sie werden es noch erleben", sagt er.