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Islam:Was die Behörden dazu sagen

Außer aus München ergingen aus den türkischen Vertretungen in Düsseldorf und Köln Meldungen über Gülen-Strukturen an Ankara. Am Rhein denunzierten drei Imame des Islamverbandes Ditib 28 Personen, die der Gülen-Bewegung zuzurechnen seien. Unter ihnen sind fünf verbeamtete Lehrer.

Wie der Kölner Stadtanzeiger berichtete, nahm in diesem Zusammenhang die Bundesanwaltschaft Ermittlungen wegen "nachrichtendienstlicher Tätigkeiten für eine ausländische Macht" auf. Das bayerische Landesamt für Verfassungsschutz möchte sich aus diesem Grund zu den Vorgängen im Freistaat nicht äußern. Bei der Bundesanwaltschaft heißt es auf die Frage, ob sich die Ermittlungen auch auf türkische Diplomaten in Bayern beziehen: "Kein Kommentar."

Jahrzehntelang war der türkische Islamverband Ditib bei deutschen Ministerien recht angesehen. Er ist der größte der vier muslimischen Verbände und vertritt dem Bundesamt für Migration zufolge mit seinen 980 Moscheevereinen etwa 16 Prozent aller Muslime in Deutschland. Auch wenn Ditib per Satzung direkt vom DIB abhängig ist und ihre 1000 Imame Beamte des türkischen Staates sind: Ditib galt als aussichtsreichster Bewerber der vier Verbände um den Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts.

Der Verband stand für eine universitäre Ausbildung der Prediger und einen säkular kompatiblen Islam türkischer Prägung. Doch seit Erdoğan den Staat neu formt und auch die Auslandstürken in Deutschland ideologisch auf das neue System einschwören will, fordern einige deutsche Politiker, Ditib müsse sich stärker von der türkischen Regierung distanzieren.

Hausverbote für "Vaterlandsverräter und Fetö-Terroristen" wie auf einem Aushang der Schweinfurter Ditib-Moschee zeigen: Nicht nur die Diplomaten und türkischen Staats-Imame, auch Mitglieder von Ortsvereinen in Bayern beteiligen sich an der Jagd auf vermeintliche Terroristen, die - wie Mustafa Güngör - deutsche Staatsbürger sind.

© SZ vom 10.02.2017/mmo

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