NaturschutzWo die untere Isar wieder zum Wildfluss wird

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Die untere Isar bei Plattling ist eine der bedeutendsten Aulandschaften Mitteleuropas.
Die untere Isar bei Plattling ist eine der bedeutendsten Aulandschaften Mitteleuropas. Heinrich Inkoferer

Die Mündung der Isar in die Donau ist eine der bedeutendsten Aulandschaften Mitteleuropas. Dass dies so bleibt, liegt auch an den engagierten Mitarbeitern am Wasserwirtschaftsamt Deggendorf.  Gerade haben sie ein Projekt abgeschlossen – und schon ein neues in Planung.

Von Christian Sebald

Das Gebiet um die Mündung der Isar in die Donau zählt zu den bedeutendsten Aulandschaften Mitteleuropas. Die weitläufigen Auwäldern, die vielen feuchten und nassen Wiesen, aber auch die Altwässer und natürlich das Mündungsgebiet der Isar selbst sind Lebensraum einer einmaligen Artenvielfalt. Die Schellenblume etwa kommt deutschlandweit nur hier vor. Das Blaukehlchen, der Halsbandschnäpper und der Mittelspecht – die alle drei zu den recht seltenen Vogelarten zählen – sind in beachtlichen Dichten dokumentiert. Dazu Moorfrösche, Springfrösche und allerlei andere Amphibien und Reptilien. Und in den beiden Flüssen schwimmen Huchen, Zingel, Streber und Schrätzer umher. Wenig verwunderlich also, dass große Teile des Mündungsgebiets unter strengem Schutz stehen.

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Dass das Mündungsgebiet der Isar so einmalig ist, hat sehr viel mit den Leuten am Wasserwirtschaftsamt Deggendorf zu tun. Mit Clemens Berger und Hermann Waas zu Beispiel. Die beiden sind an der Behörde zuständig für die Untere Isar und engagieren sich seit Jahren nicht für den Erhalt der Aulandschaft. Sondern sie bemühen sich nach Kräften um ihre Aufwertung. Dieser Tage schließen sie ein Projekt ab: die Renaturierung der Isar am Angergries, östlich von Plattling. Wie schon die Vorgängerprojekte in dem Bereich gilt es in der Fachwelt als sehr gelungen. „Flussökologisch macht die Isar dadurch einen Riesensprung nach vorne“, sagt zum Beispiel Georg Kestel vom Bund Naturschutz (BN). Der Landschaftsarchitekt gilt als einer der besten Kenner der Region.

Der Isar ist es wie den anderen Flüssen in Bayern ergangen. Sie wurde im 19. Jahrhundert fast auf ganzer Länge begradigt und kanalisiert. Später wurden für den Hochwasserschutz an den Ufern entlang und etwas zurückversetzt Dämme und Deiche errichtet. Zugleich wurden vielerorts Wasserkraftwerke in sie hineingebaut. Von Landshut bis Plattling etwa reihen sich Staustufen und Wasserkraftwerke aneinander.  Diese Zurichtung hat nicht nur dem einst wilden Gebirgsfluss seine Ursprünglichkeit genommen. Sondern auch den vielen Tier- und Pflanzenarten, die an und in ihm vorkamen, den Lebensraum.

Das Blaukehlchen imitiert gern die Gesänge anderer Arten. Die seltenen Vögel kommen an der unteren Isar in beachtlichen Zahlen vor. 
Das Blaukehlchen imitiert gern die Gesänge anderer Arten. Die seltenen Vögel kommen an der unteren Isar in beachtlichen Zahlen vor.  Christoph Kaula

Am Wasserwirtschaftsamt Deggendorf verfolgen sie schon seit den späten Neunzigerjahren ein Konzept, wie sie die Aulandschaft auf den letzten Flusskilometern vor der Mündung der Isar in die Donau erhalten und renaturieren können. Zugleich soll in dem Gebiet dem Schutz vor Hochwässern und anderen flussbaulichen Aspekten Rechnung getragen werden. Ein wichtiger Baustein dabei ist die Zugabe von Tausenden Tonnen Kies im Jahr. Er stammt aus Ausbaggerungen der Schifffahrtsstrecke in der nahen Donau und wird mit Lastwagen zur unteren Isar gefahren und hineingekippt.

Dort bewirkt der Kies zweierlei. Zum einen stützt er die Flusssohle und verhindert, dass sich der Fluss immer tiefer eingräbt. Zum anderen wird mit dem Kies die natürliche Dynamik des einstigen Gebirgsflusses nachgestellt. Denn die Isar türmt damit Kiesbänke auf, in Perioden, in denen sie viel Wasser führt, sogar immer neue. Erst im Lauf der Zeit schwemmt sie den Kies zurück in die Donau. Im Flusswasser um die Kiesbänke herum und auf ihnen entstehen aber wichtige Lebensräume, zum Beispiel für den Huchen oder den Flussregenpfeifer. „Hier an der unteren Isar haben wir deshalb eines der wenigen Flussgebiete in Bayern, in dem sich der Huchen selbständig reproduziert“, sagt Kestel.  „Das ist etwas ganz Besonderes.“

Der Huchen wird auch Donaulachs genannt. Der Grund: Er besiedelte die obere und mittlere Donau und ihre Nebenflüsse. Inzwischen ist die Art aber vom Aussterben bedroht.
Der Huchen wird auch Donaulachs genannt. Der Grund: Er besiedelte die obere und mittlere Donau und ihre Nebenflüsse. Inzwischen ist die Art aber vom Aussterben bedroht. Imago

Das Wasserwirtschaftsamt belässt es aber nicht bei der Kieszugabe. Abschnitt für Abschnitt lässt die Behörde außerdem Hochwasserablagerungen an den Flussufern abtragen, so dass sich das Flussbett aufweitet und Flusswasser leichter in die Aue abfließen kann. Dadurch kommt wieder Leben in die Altwasser- und Seitenarme der Unteren Isar, „Flora und Fauna im gesamten Mündungsgebiet profitieren ungeheuer davon“, wie der BN-Mann Kestel sagt.

Am Angergries etwa haben sie auf diese Weise in zurückliegenden drei Wintern einen neuen, beinahe eineinhalb Kilometer langen Isar-Seitenarm geschaffen. Dazu – durch entsprechende Pflanzungen – gute 15 Hektar neuen Auwald. Für das Wasserwirtschaftsamt ist damit freilich wieder einmal nur ein Etappenziel erreicht. Dort bereiten sie nämlich schon das Nachfolgeprojekt für das Angergries vor.  Ausgeguckt dafür haben sie sich das Isar-Ufer direkt gegenüber vom Angergries.

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