Investitionen 200 Millionen zu verbauen

Die Bundeswehr warb in Kaufbeuren für ihre Bauprojekte.

(Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)

Bundeswehr sucht Architekten und Handwerker

Von Florian Fuchs

"Mach, was wirklich zählt", ist einer dieser Werbesprüche, mit denen die Bundeswehr seit Jahren versucht, neue Soldaten zu rekrutieren. Baufirmen, Architekten und Ingenieure waren bislang eher nicht gemeint, aber das ändert sich gerade. 200 Millionen Euro will die Bundeswehr alleine in Schwaben und im westlichen Oberbayern innerhalb der nächsten fünf Jahre in Baumaßnahmen investieren. Das Problem ist nur: Die Auftragsbücher sind voll, Baufirmen sind nicht gerade auf der Suche nach neuen Projekten. Und so hat die Bundeswehr zusammen mit den Bauämtern Augsburg, Kempten und Weilheim am Donnerstagabend in Kaufbeuren eine Informationsveranstaltung organisiert, welche Bauvorhaben denn künftig im Südwesten Bayerns anstehen. Oder anders formuliert: Sie hat dafür geworben, Abnehmer für die 200 Millionen Euro zu finden, die verbaut werden sollen.

Oberst Hans-Jürgen Neubauer vom Bundesamt für Infrastruktur der Bundeswehr macht gar keinen Hehl daraus, dass sein Arbeitgeber auf Werbetour ist: Es stimme ihn zuversichtlich, sagt er gleich bei der Begrüßung, dass so viele Interessierte den Weg nach Kaufbeuren gefunden hätten. Tatsächlich war am Fliegerhorst wohl schon lange nicht mehr so viel los, am Eingang stehen die Autos mit Kennzeichen aus Weilheim, dem Allgäu, aus München und Augsburg Schlange, der Hörsaal auf dem weitläufigen Bundeswehrgelände ist bis auf den letzten Platz gefüllt. "Die Auftragslage ist optimal, deshalb kommen wir nun auf Sie zu", sagt Neubauer zu den Architekten und Ingenieuren. "Wir wollen zeigen, was wir zu bieten haben."

Das ist tatsächlich nicht wenig, elf Standorte gibt es im Bereich der Bauämter Augsburg, Kempten und Weilheim, mit denen die Bundeswehr bei Bauvorhaben zusammenarbeitet. Da geht es etwa um den Neubau eines Wirtschaftsgebäudes in Lechfeld: elf Millionen Euro. Eine neue Fahrzeug-Waschanlage in Füssen: vier Millionen Euro. In Sonthofen kosten allein der Neubau von Ausbildungsanlagen und ein Hörsaalgebäude zusammen 46 Millionen Euro, ein Waffenkammergebäude in Murnau ist mit vier Millionen veranschlagt, in ein elektrisches Schließsystem in Pöcking werden 1,1 Millionen Euro investiert und das Gebäude des Gebirgsmusikkorps in Garmisch-Partenkirchen macht es auch nicht mehr lange: Da ist allerdings noch nicht klar, ob ein Neubau oder eine Anpassung der Räume sinnvoller ist.

Es sei ganz praktisch, die Vorhaben mal im Überblick präsentiert zu bekommen, sagt ein Architekt im Auditorium. Wahnsinnig kompliziert sei es, auf den Vergabeplattformen im Internet zu recherchieren, welche Projekte denn anstünden. "Die Zeit haben die meisten gar nicht, die haben viele Aufträge und genug damit zu tun, die abzuarbeiten." Die Abgabe der Bewerbungen, das gibt auch Oberst Neubauer zu, ist bei Bauvorhaben der Bundeswehr etwas komplizierter als bei privaten Vergaben. Mit der Informationsveranstaltung, die die Bundeswehr auch in anderen Teilen Bayerns organisiert, will sie den Baufirmen aber immerhin anderweitig entgegenkommen: Viele hatten sich in der Vergangenheit beschwert, dass sie sich bei Personal und Fertigung anders aufgestellt hätten, wenn sie frühzeitig gewusst hätten, was bei der Bundeswehr an Maßnahmen anstehe.

Dass es dabei nicht mehr um Gemeinschaftsduschen und Mehrbettzimmer geht, macht Neubauer auch klar. "Diese Zeiten sind vorbei", um als Arbeitgeber genauso attraktiv zu sein wie etwa der Zoll oder die Bundespolizei brauche es moderne Gebäude. "Der Trend geht zu Einzelunterkunft und Einzelnasszelle." Und so eine Sport- und Kletterhalle, wie sie für vier Millionen Euro auf dem Gelände der Bundeswehr in Füssen entstehen soll, kann sicher auch nicht schaden, um junge Leute zu rekrutieren. Dann braucht es jetzt also nur noch die Architekten, Ingenieure und Handwerker, die sich bewerben, um so ein Bauwerk auch wirklich hochzuziehen.