Untersuchung Kliniken in Mittelfranken: Verwaltungsräte sollen weggeschaut haben

  • Der mittelfränkische Bezirkstagspräsident Richard Bartsch ist Chef des Verwaltungsrates der Bezirkskliniken Mittelfranken.
  • Gegen deren Vorstand gibt es harsche Vorwürfe, wegen der geschäftlichen Methoden und wegen zweifelhafter Menschenführung.
Von Uwe Ritzer

Richard Bartsch, 57, ist ein ausgesprochen mitteilsamer Mensch. Auf einer eigenen Internetseite und gleich zwei Facebook-Accounts postet der seit 2003 amtierende, mittelfränkische Bezirkstagspräsident laufend, welche Termine er wahrnimmt, welche Konzerte er besucht oder was er in seiner Freizeit macht. Selbst der Bier-Einkauf an einer Autobahnraststätte oder herausgeputzte Schülerinnen als Tischnachbarinnen bei einer Abiturfeier werden fotografisch dokumentiert. Vor allem aber postet der CSU-Politiker Bilder von sich selbst. Bartsch lächelnd, Bartsch in Denkerpose, Bartsch mit Narrenkappe. Bartsch wie er sich gerne sieht.

Einsilbig wird er jedoch, wenn es um sein größtes Problem geht. Eines, das für ihn politisch immer gefährlicher wird. Denn als Bezirkstagspräsident ist Bartsch auch Chef des elfköpfigen Verwaltungsrates der Bezirkskliniken Mittelfranken. Jener Tochterfirma des Bezirks mit 3000 Beschäftigten, gegen dessen Vorstand es harsche Vorwürfe gibt, seiner geschäftlichen Methoden und zweifelhafter Menschenführung wegen. Und auf Bartsch rollt unaufhaltsam die Frage zu, ob er Hinweise auf die offenkundig gravierenden Missstände zu lange ignoriert hat.

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Auf Druck des Innenministeriums hat Bartsch für diesen Dienstag die Verwaltungsräte zu einer Sondersitzung einbestellt. Dabei soll abgestimmt werden, welche Stellungnahmen er und der umstrittene Klinikvorstand Helmut Nawratil dem Ministerium abgeben werden. Die Rechtsaufsicht fordert Auskunft über das, was über Nawratils Gebaren zuletzt öffentlich wurde. Von fragwürdigen Vergaben riesiger Aufträge über den großzügigen Umgang mit vertraulichen Daten bis hin zum Camping-Van als Zweit-Dienstwagen und dem außergewöhnlich hohen Verschleiß von Führungskräften.

Bislang steht Bezirkstagspräsident Bartsch unerschütterlich zum umstrittenen Klinikchef, kein Wort auch nur vorsichtiger Distanz kam ihm öffentlich über die Lippen. Wohl auch deshalb, weil Bartsch sonst unweigerlich erklären müsste, warum Nawratils Gehalt trotz aller Vorwürfe zum 1. Januar 2018 um fast 50 Prozent auf 380 000 Euro jährlich angehoben wird.

Vermutlich werden sein Statement und das von Nawratil für das Ministerium kaum anders lauten als die bisherigen: Man kenne viele der Vorwürfe zum Teil seit Jahren aus anonymen Briefen und selbstverständlich habe man sie überprüfen lassen. Mit dem Ergebnis, das an den Vorwürfen nichts dran sei.

Auch die Staatsanwaltschaft fand nichts

Bislang weigert sich Bartsch, diese Prüfberichte zu veröffentlichen. Vielleicht auch deshalb, weil sich dann bestätigen könnte, dass der angegriffene Vorstand Nawratil sich seine Prüfer selber aussuchen durfte, oder praktischerweise Untergebene mit der Untersuchung beauftragte. Eine Revisorin fand heraus, dass ihr Chef sich nichts zuschulden kommen ließ. Kurz darauf hat Nawratil die Frau befördert.

Dass auch die Staatsanwaltschaft manchem nachgegangen sei und nichts Belastendes gefunden habe, entlastet die Verantwortlichen nur bedingt. Denn vieles von dem, was Helmut Nawratil an Übelkeiten vorgeworfen wird, ist strafrechtlich nicht relevant. "Es hätte aber die Verwaltungsräte interessieren müssen", sagt ein Bezirksrat. "Schließlich geht es um Mitarbeiter, für die sie politische Verantwortung tragen." Die Linken im Bezirkstag fordern nun die komplette Abberufung des Aufsichtsgremiums, das "konsequent weggeschaut" und vieles einfach abgenickt habe.

Nawratil muss schwarze Zahlen liefern

Dies trifft nicht auf alle Verwaltungsräte zu, wohl aber auf die große Mehrheit aus CSU, SPD und FW. Zu kritiklos habe man Nawratils Erzählungen geglaubt, wenn wieder einmal eine Führungskraft nach kurzer Zeit hingeworfen hatte oder vom Vorstand gefeuert worden war. Allein angesichts der schieren Zahl solcher Fälle hätten Bartsch & Co. hellhörig und aktiv werden müssen, sagen Mitarbeiter, die sich im Stich gelassen fühlen.

Für die meisten Bezirkspolitiker scheint Nawratil einfach ein harter Hund zu sein, der sich gegen Bremser im eigenen Laden durchsetzen müsse, um schwarze Zahlen zu liefern. Denn das ist bislang Bartschs Hauptargument pro Nawratil. Dass der nämlich die Bezirkskliniken aus der Verlust- in die Gewinnzone geführt habe. "Mit problematischen Methoden und auf dem Rücken von uns", sagen Mitarbeiter.

Von denen, die gegangen seien, habe sich nie jemand bei ihm beschwert und auf Fehlverhalten hingewiesen, behauptet Richard Bartsch. Doch diese Darstellung erscheint fraglich. Nach SZ-Informationen erhielt der Bezirkstagspräsident durchaus entsprechende Post.

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