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Ingolstadt/Lindau:Im Doppelpack

Heuer finden erstmals zwei Gartenschauen gleichzeitig statt

Die Krise macht es möglich: Obwohl Gartenschauen längst keine Selbstläufer mehr sind, soll es in diesem Jahr erstmals in Bayern eine Doppel-Schau geben. Die vom vergangenen Jahr verschobene Landesgartenschau in Ingolstadt wird nach derzeitiger Planung vom 21. April bis 3. Oktober stattfinden. Etwas kürzer soll auch noch die regulär heuer geplante Gartenschau in Lindau laufen (20. Mai bis 26. September).

In Bayern können die Landesgartenschauen auf eine vier Jahrzehnte dauernde Geschichte zurückblicken. Premiere war 1980 in Neu-Ulm, wo es eine gemeinsame Schau mit Baden-Württemberg und der Nachbarstadt Ulm gab. Die erste alleinige bayerische Gartenschau war 1985 in Augsburg. Eine halbe Million Besucher wurden damals erwartet, sogar 1,2 Millionen kamen. Von solchen Erfolgen sind die Veranstaltungen heute weit entfernt. Die letzte große Landesgartenschau in Bayern, 2018 in Würzburg, endete mit langen Gesichtern. Es kamen nur rund 700 000 Besucher - etwa 200 000 weniger als erhofft. Letztlich verbuchten die Organisatoren ein Minus von rund fünf Millionen Euro.

Der Geschäftsführer der bayerischen Landesgartenschau, Martin Richter-Liebald, sieht trotzdem keine generelle Krise der Gartenschauen. Bei Gesprächen mit Kommunen, die sich für die Zeit von 2028 an bewerben können, gebe es eine gute Akzeptanz. Außerdem habe ein Jahr nach Würzburg die Gartenschau in Wassertrüdingen die andere Seite gezeigt. Bei der kleinen Landesgartenschau kamen mehr als 300 000 Besucher in die mittelfränkische Stadt, und damit mehr als erwartet. Allerdings sieht er auch, dass die Einwohner bei künftigen Projekten früher mitgenommen werden sollten. Außerdem wirbt er für eine neue Sichtweise. "Die Gartenschau wird immer bewertet mit der Zahl der Besucher", meint Richter-Liebald. Dies sei aber nicht richtig. Es müsse darauf geschaut werden, was dauerhaft für die Menschen in den Städten gebaut werde. Ähnlich sieht dies Umweltminister Thorsten Glauber (FW): "Gartenschauen sind Investitionen in die Zukunft und in die Lebensqualität vor Ort", sagt er. Bislang seien mehr als 500 Hektar Grün- und Erholungsflächen durch die Gartenschauen im Freistaat geschaffen worden. Die Veranstaltungen würden so helfen, vor Ort die Artenvielfalt zu erhöhen und das Stadtklima nachhaltig zu verbessern.

In Ingolstadt soll deswegen ein Randbezirk im Nordwesten mit einer neuen Grünanlage aufgewertet werden. Auf 23 Hektar entstand ein Landschaftspark, der die Besucher mit mehr als 100 000 Pflanzen begeistern soll. Allein rund 600 Bäume wurden gepflanzt. Dafür wurden 24 Millionen Euro investiert, die laufenden Kosten während der Schau werden mit 13 Millionen Euro angesetzt. Die Lindauer Veranstaltung ist die letzte der kleineren Gartenschauen, die in den Jahren zwischen den großen Landesgartenschauen stattfanden. Lindau will im Sommer zum "Gartenstrand" werden. Ein Autostellplatz wurde dafür umgestaltet, nachdem auch in Lindau ursprünglich ein Bürgerbegehren das Projekt kippen wollte. Doch so weit kam es nicht. Nun versprechen die Gartenschau-Macher: "Auf einem tristen Parkplatz entsteht zum einen ein lebendiges Viertel mit bezahlbaren Wohnungen, zum anderen auch ein blühender Bürgerpark für die kommenden Generationen." Der Gesamtetat dafür beträgt mehr als zehn Millionen Euro.

© SZ vom 08.04.2021 / dpa
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