Die bayerische FDP hat nach einer schweren Parteitagspanne einen neuen Landesvorsitzenden. Bei der Abstimmung in Ingolstadt setzte sich am Samstag der frühere Landtagsabgeordnete Matthias Fischbach durch - das Parteitagspräsidium allerdings hatte zuvor bereits den unterlegenen Gegenkandidaten zum Sieger erklärt.
Fischbach erhielt 206 von 383 Stimmen, Gegenkandidat Moritz Fingerle 172 Stimmen. Doch bei der Projektion auf die große Leinwand und die Computer des Parteitagspräsidiums stand zunächst Fingerles Name oben. Der stellvertretende Vorsitzende der Münchner FDP hatte die Wahl bereits angenommen und zahlreiche Glückwünsche entgegengenommen. Dann korrigierte sich das Präsidium und Fingerle erfuhr wie die ebenso überraschten Delegierten, dass doch Fischbach die Wahl gewonnen hatte.
„Es gibt Dinge, die haben wir nicht nur noch nicht erlebt, die hätten wir uns auch gar nicht vorstellen können“, sagte der neue Landesvorsitzende Fischbach anschließend. Das Parteitagspräsidium entschuldigte sich und merkte an, dass es eine ähnliche Panne in der Parteigeschichte der Liberalen mutmaßlich noch nie gegeben habe.
Der 37-jährige Fischbach aus Erlangen saß von 2018 bis 2023 im Landtag und war parlamentarischer Geschäftsführer der Landtagsfraktion. Fischbach will die FDP wieder in den Landtag führen, in Umfragen liegen die Liberalen aber weit unter der Fünf-Prozent-Hürde. Fischbachs Vorgänger Michael Ruoff war erst 2025 angetreten, hatte den Landesvorsitz aber vor wenigen Wochen wieder zur Verfügung gestellt, aus persönlichen Gründen.
Die größte Herausforderung für Fischbach wird nun sein, der FDP Sichtbarkeit zu verschaffen auch ohne Mandate. Erschwert wird diese Aufgabe durch die klamme Kassenlage, der Apparat des Landesverbands musste ohne Parlamentspräsenz deutlich schrumpfen. Die Mandatsträger-Abgaben sowie nachgelagert große Teile der Parteifinanzierung über die Wahlergebnisse fallen weg.


