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Ingolstadt:Bodenständig

Euro Hawk

Der Flugplatz in Manching wird militärisch wie zivil genutzt.

(Foto: Armin Weigel/dpa)

Am Flugplatz Manching landet und startet derzeit nichts. Wegen einer Krankheitswelle kann die Funkanlage nicht geprüft werden

Gut, dass Tina Turner nicht ausgerechnet diese Woche in Ingolstadt auftritt. Die Rocksängerin wurde ja schon mal gesichtet am Flugplatz in Manching, ferner andere Prominente und Leute, die sich Privatflüge leisten können. Die Ingolstädter Erstliga-Teams im Fußball und im Eishockey können ebenso wenige Kilometer außerhalb der Stadt in den Flieger steigen wie Manager von Audi; so geht's dann rasch zum VW-Mutterkonzern nach Niedersachsen. Der Flugplatz hat eine Erlaubnis zur militärischen wie zivilen Nutzung, seit gut anderthalb Jahrzehnten gibt es Passagiere auch ohne Dienstgrad. In Ingolstadt hört man oft reichlich Stolz über den eigenen Airport, der zu einer dynamischen Donau-Metropole passe. Aktuell allerdings heben gar keine Maschinen ab oder landen: der Flughafen Manching ist nach SZ-Informationen dicht.

Grund ist eine Krankheitswelle, was zu der kalten Jahreszeit einleuchtet - offenbar gab es noch Behörden-Wirrwarr dazu. Laut einer internen Mitteilung im zivilen Bereich, die der Süddeutschen Zeitung vorliegt, hat sich Folgendes ereignet: Die Funkanlage, die täglich von einem speziellen Prüfer zu prüfen ist, könne nicht geprüft werden. Alle vier zugelassenen Techniker am Standort seien krank. "Fakt ist, dass ohne Überprüfung (der funktionierenden) Anlage kein Flugbetrieb möglich ist." Seit ein paar Tagen also Stillstand. Nun hatten die Leute des Zivilbereichs die Idee, einen Techniker der Herstellerfirma aus Wien "einfliegen" zu lassen. Tatsächlich könnte dieser "sofort" kommen, heißt es. Wobei da wiederum das Luftfahrtamt der Bundeswehr in Köln ein Veto eingelegt habe - weil besagter Experte "nicht über eine militärische Zertifizierung verfügt und daher nicht befugt ist, die Anlage zu überprüfen". Der Mitteilung ist unter anderem Unverständnis darüber zu entnehmen, dass in Bundeswehramtsstuben bereits um halb fünf nachmittags Feierabend gemacht werde. Man benötige eine zügige Entscheidung und nicht "bürokratischen Wahnsinn".

Die Geschäftsführung der Gesellschaft zur zivilen Mitbenutzung des Flugplatzes will sich nicht dazu äußern. Die Bundeswehr antwortete auf SZ-Anfrage, im Übrigen schnell: die "militärischen Spielregeln" legten fest, dass bei fehlender Überprüfung der Platz schließt. Alles, Radar, Tower, alle "flugsicherheitskritischen Anwendungen". Es sei eben neulich der letzte der vier Prüfer auch noch krank geworden. Schon aus eigenem Bedarf habe man jedoch ein Interesse daran, dass wieder geflogen werde, und suche jetzt Ersatz an anderen Wehrstandorten. "Berechtigte Hoffnung" gebe es, dass der Flugplatz alsbald wieder öffne.