bedeckt München 11°

Infektionsgefahr:Apotheker sind verärgert

Trotz Kundenkontakt ist Schutzausrüstung nicht eingeplant

Von Dietrich Mittler

Durch ihren Kundenkontakt sichern Bayerns Apotheker Tag für Tag, dass kranke Menschen ihre Medikamente bekommen. Sie selbst aber fühlen sich durch die Staatsregierung im Stich gelassen, wenn es um den Schutz der eigenen Gesundheit geht. Trotz der aktuell hohen Gefahr einer Coronavirus-Infektion ziehe es die Staatsregierung "noch nicht einmal in Erwägung, die Apotheken mit Schutzausrüstung zu versorgen". Und das treffe nicht nur das Personal in den Apotheken, sondern auch jene, die im Botendienst Medikamente zu Patienten nach Hause bringen.

Aus Sicht von Kammerpräsident Thomas Benkert ist das skandalös. "Wir stehen täglich in Kontakt mit unseren Kunden und Patienten, von denen wir nicht wissen, ob sie infiziert sind", sagte er. Schutzwände aus Plexiglas, wie sie mittlerweile in etlichen Apotheken zu finden seien, böten nicht ausreichend Schutz. Wie etwa Hebammen müssten auch Apotheker seitens der Behörden mit Schutzmasken ausgerüstet werden. Denn wer meine, dass Apotheker bei der Beschaffung der Masken an der Quelle sitzen, der irre. "Es wird langsam etwas besser, aber noch immer sind viele seriöse Lieferquellen wie abgestorben."

Einige Apotheken in Bayern hätten bereits schließen müssen, weil sich ihr Personal selbst infiziert habe. Für die Patienten, die dadurch nicht mehr an ihre bereits bestellten Medikamente herankämen, sei das schlimm. Was Benkert empört: In einer Anweisung an die Kreisverwaltungsbehörden spricht das Innenministerium "nach dem Prinzip des Schutzes vulnerabler Gruppen und der medizinischen Notwendigkeit" von zwei Kategorien, die zunächst mit staatlich beschaffter Schutzausrüstung zu versorgen sind. "Wir wurden noch nicht einmal nachrangig berücksichtigt", sagt Benkert. Aus dem Gesundheitsministerium hieß es dazu: "Aufgrund der derzeit schwierigen Beschaffungssituation können derzeit zwar nicht alle im Gesundheitswesen tätigen Berufsgruppen berücksichtigt werden. Das Gesundheitsministerium arbeitet aber weiterhin intensiv an einer verbesserten Beschaffung von Schutzmaterial."

© SZ vom 16.04.2020
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema