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Hymne:ÖDP will die dritte Strophe der Bayernhymne zurück

Winterpatriotentreffen der Königstreuen

Die Bayernhymne hat eine ereignisreiche Geschichte. Anfangs war sie als Volkslied populär.

(Foto: Stefan Puchner/dpa)
  • Die ÖDP fordert, die dritte Strophe der Bayernhymne wieder in die offizielle Version aufzunehmen. Gestrichen hatte sie vor Jahrzehnten der bayerische Ministerpräsident Franz Josef Strauß.
  • In Zeiten von Handelsabkommen wie CETA und TTIP sei diese wieder äußerst zeitgemäß, sagten Politiker.

Es gab eine Zeit, da ist die ÖDP mit dem Slogan "Weniger ist mehr" in den Wahlkampf gezogen. In den Achtzigerjahren war das, der Slogan war damals ein Statement gegen die Überflussgesellschaft. Neuerdings aber kann die Partei gar nicht genug kriegen, jedenfalls nicht von der Bayernhymne. Wenn sich die ÖDP Niederbayern am Samstag zum Bezirksparteitag in Pfarrkirchen trifft, wird Bezirkschef Urban Mangold vorschlagen, in Bierzelten und bei Wahlkampfveranstaltungen künftig alle drei Strophen der Bayernhymne zu singen. Und nicht nur die ersten beiden.

Wer die Logik der ÖDP verstehen will, muss zunächst den Inhalt der von Joseph Maria Lutz getexteten Strophe kennen: "Gott mit uns und Gott mit allen / die der Menschen heilig Recht / treu beschützen und bewahren / von Geschlechte zu Geschlecht / Frohe Arbeit, frohes Feiern / reiche Ernten jedem Gau / Gott mit dir, du Land der Bayern / unterm Himmel, weiß und blau." Diese von Ministerpräsident Alfons Goppel 1966 empfohlene und später von Franz Josef Strauß wieder verworfene Strophe "wäre heute eine eindringliche Ermahnung an die Staatsregierung", sagt ÖDP-Bezirkschef Mangold.

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Konkret geht es der ÖDP um die Passage "um der Menschen heilig Recht". Diese Passage, sagt Mangold, "ermahnt uns, nicht zuzulassen, dass unser Land Mitverantwortung trägt für ungerechte ausbeuterische Handelsbeziehungen, für Ausgrenzung durch Freihandelsabkommen".

Wenn Politiker für Handelsabkommen wie CETA oder TTIP stimmten oder für Waffenexporte, dann gehe es ihnen nur um den Geldbeutel des Volkes und eben nicht um des "Menschen heiliges Recht", sagt Mangold. Das klingt ein bisschen verquer, zumal das eher bundespolitische Themen sind. "Die bayerische Mehrheitspartei ist aber auch in der Bundesregierung", kontert Mangold. Die ÖDP will nun mit einer Petition dafür sorgen, dass die Strophe wieder in die offizielle Version der Hymne aufgenommen wird.

Im Dezember 1860 ist die Bayernhymne zum ersten Mal erklungen. Die Melodie von Konrad Max Kunz hat wegen ihrer Eingängigkeit großen Anteil an der Popularität der Hymne. Immer wieder geriet sie freilich zu einem Politikum, zum Beispiel wurde oft um die richtige Textfassung gestritten. Nach der Absetzung der Wittelsbacher im November 1918 wurden zum Beispiel alle Bezüge zur Monarchie getilgt. Die dritte Strophe, in welcher der König gepriesen wurde, durfte nicht mehr in Büchern erscheinen.

Ministerpräsident Alfons Goppel favorisierte dann die 1948 verfasste Textversion von Joseph Maria Lutz, die vom bayerischen Unabhängigkeitsstreben getränkt ist. Lutz schrieb etwa "Heimaterde" statt "Deutsche Erde". Goppels Nachfolger Franz Josef Strauß sah dadurch jedoch seine bundespolitischen Ambitionen gefährdet, weshalb er 1980 die "deutsche" Bayernhymne anordnete.

Ausgerechnet ein bayerischer Papst facht den Hymnenstreit weiter an

Der Strauß-Erlass, dem auch die 3. Strophe zum Opfer fiel, liegt patriotischen Bayern schwer im Magen. Sie fordern die Rückkehr zum alten "Heimaterde"-Text. Eine Petition lief aber ins Leere. Ausgerechnet Papst Benedikt XVI. entfachte im September 2006 die Debatte neu, indem er bei seinem München-Besuch statt "Deutsche Erde" für alle hörbar "Heimaterde, Vaterland" sang. Der Hymnenstreit tobte danach erst recht weiter.

Auch der Münchner Jurist Florian Besold ist diesbezüglich vor vier Jahren aktiv geworden. Für ihn besitzt das Lied, ähnlich wie jetzt für die ÖDP, nach wie vor eine politische Kraft. Besold meint, man solle die Hymne im europäischen Einigungsprozess wirken lassen. Als Präsident der Bayerischen Einigung hat er zusammen mit der Staatsregierung einen bemerkenswerten Wettbewerb initiiert. Schülerinnen und Schüler sollten eine dritte Strophe zur Bayernhymne texten, in der die Stellung Bayerns in Europa thematisiert wird.

Das Interesse übertraf alle Erwartungen, mehr als 500 Schüler aus 70 Schulen hatten sich an der nicht ganz einfachen Aufgabe beteiligt, eine moderne dritte Strophe in die Melodie und Taktung der Bayernhymne einzupassen. Als Sieger gingen die Schüler Muhammad Agca, Tatjana Sommerfeld und Benedikt Kreisl von der Beruflichen Oberschule Bad Tölz hervor. Ihr von der ÖDP noch nicht berücksichtigter Text lautet: "Gott mit uns und allen Völkern / ganz in Einheit tun wir kund: / In der Vielfalt liegt die Zukunft, / in Europas Staaten Bund. / Freie Menschen, freies Leben / Gleiches Recht für Mann und Frau, / Goldne Sterne, blaue Fahne / Und der Himmel weiß und blau."

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