Hungerstreik von Asylbewerbern in Würzburg Haderthauer lehnt einen Besuch ab

Davoudi wirkt nicht wie einer, der anderen aufdrängt, wie viele Steuern er zahlt. Im Angesicht des Würzburger Falles müsse das aber mal sein, sagt er. Davoudi leitet eine Praxis in Wuppertal mit sieben Angestellten, eine knapp sechsstellige Summe an Steuern zahlt er im Jahr. Er sage das deshalb, weil er gelesen hat, was Kommentar-Schreiber im Internet über einen Fall wie den von Hosseinzadeh äußern - und er kennt die Argumente dieser Leute nur zu gut: Man könne doch nicht die ganze Welt retten, das koste den Steuerzahler viel Geld. Oder: Das Leben in einer ehemaligen Kaserne sei so schlecht sicher nicht. Und: Es werden wohl auch wirtschaftliche Argumente sein, die einen wie Hosseinzadeh nach Deutschland getrieben haben.

Der Wuppertaler Arzt Yadollah Davoudi ist von der Geschichte der Männer berührt, weil sie seiner eigenen ähnelt. Auch er floh einst aus Iran.

(Foto: oh)

Hosseinzadeh hat sein damals dreijähriges Kind in Iran zurückgelassen. "Leute, die in so einem Fall von einem Wirtschaftsflüchtling reden, machen mich unglaublich wütend", sagt Davoudi. In den Augen mancher Leute war auch er das: ein Wirtschaftsflüchtling. Heute kann man sagen, dass das Land ziemlich profitiert von diesem Flüchtling.

Auf zwei Wochen haben die Iraner ihren Hungerstreik angelegt, möglicherweise aber wird ihr Zelt noch länger vor dem Würzburger Rathaus stehen. Inzwischen interessieren sich immer mehr Menschen dafür, unter welchen Umständen die Flüchtlinge leben. Mehrere Abgeordnete haben die Iraner besucht, am Dienstag forderten die Grüne Jugend und die Jungen Liberalen Konsequenzen: Asylsuchende müssten individuell, nicht in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht werden, die Residenzpflicht gehöre abgeschafft, auch Essenspakete solle es nicht länger geben.

Die Hungerstreiks in den Unterkünften in Bayern häuften sich. "Es ist empörend, dass politische Flüchtlinge keine andere Möglichkeit sehen, auf ihre Situation aufmerksam zu machen", sagt Miriam Werner, Sprecherin der Grünen Jugend Bayern. Im Januar hatte sich ein iranischer Asylbewerber in Würzburg das Leben genommen.

Die Hungerstreikenden hoffen noch immer, dass Sozialministerin Christine Haderthauer nach Würzburg kommt und sich ein Bild von den Umständen macht. Die CSU-Politikerin hat das bereits abgelehnt. In die frühere Kaserne in Würzburg seien in jüngerer Zeit 1,2 Millionen Euro investiert worden, die Bedingungen dort hätten sich deutlich verbessert. Das Gefühl, im Gefängnis zu leben, mit schönerer Farbe und besseren Türen, habe man trotzdem, sagt einer der Iraner.