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Hund als Retter:"So schnell konnte ich gar nicht handeln, wie mein Hund reagiert hat"

David Fischer wollte einem Kind helfen. Doch bis er sich versah, war sein Hund Hunter schon in den Main gesprungen und zu den Mädchen geschwommen.

(Foto: privat)

Hund Hunter hat eine Achtjährige aus dem Main gerettet. Sein Besitzer David Fischer erzählt, wie es dazu kam und wie schnell Hunter die Situation erfasst hat.

"Hunter" heißt der Hund von David Fischer, 29, aus Unterfranken. Talente hat das Tier aber offenbar nicht nur als Jäger, sondern auch als Retter.

SZ: Herr Fischer, Sie waren mit Ihrem Hund spazieren, in der Nähe des früheren Kernkraftwerks Grafenrheinfeld.

David Fischer: Meistens laufen wir ja hinten an den Feldern meines Heimatortes Garstadt entlang, an dem Tag aber waren wir unten am Main in der Nähe vom Campingplatz. Mir ist schon vom Weitem aufgefallen, dass da ein Mädchen relativ nahe am Ufer spielt, habe dem aber keine Beachtung geschenkt und weiter mit meinem Hund gespielt. Bis ich dann Hilferufe gehört habe.

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Von dem Mädchen.

Das wusste ich nicht sofort. Aber als ich mich umgedreht habe, war das Mädchen nicht mehr zu sehen. Also bin ich in Richtung des Ufers gerannt, Hunter hinterher. Dort habe ich das Mädchen gesehen, wie es im Main versucht hat, sich irgendwie über Wasser zu halten, etwa drei Meter vom Ufer entfernt. Natürlich steht man da unter Strom. Ich hab' Jacke und Pullover ausgezogen und wollte schon ins Wasser springen.

Der Hund immer noch an Ihrer Seite.

Erst mal, ja. Nur ist er mir dann zuvorgekommen. Er ist ins Wasser rein und direkt in Richtung des Mädchens geschwommen. So schnell konnte ich gar nicht handeln, wie mein Hund reagiert hat.

Wie hat das Mädchen reagiert?

Sie war in Panik, offenbar in höchster Not. Ich habe ihr zugerufen, dass sie keine Angst haben braucht, dass der Hunter Kinder sehr gerne hat. Und dass sie sich am Halsband festhalten soll, wenn er bei ihr ankommt.

Garstadt ist in der Nähe einer Schleuse, oder? Da ist die Strömung des Mains nicht gerade schwach.

Zumal sich die Schleuse geöffnet hat, ja. Zur nächstliegenden Treppe wären die beiden, das Mädchen und Hunter, nicht gekommen, dazu war die Strömung zu stark. Also hab' ich mich an die nächste Treppe stromabwärts gestellt und Hunter dahin gelotst. An der Stelle konnte ich das Mädchen aus dem Wasser ziehen und in meine Jacke wickeln. Das Mädchen hat mir dann gesagt, dass ihre Eltern auf dem Campingplatz wohnen.

Puh.

Es war dann natürlich viel Gewusel auf dem Campingplatz. Und ich war einfach nur froh, dass das so ausgegangen ist. Ich bin selbst Vater eines Neunjährigen, da kann man sich in etwa vorstellen, was in Eltern abläuft, wenn sie realisieren, dass ihr Kind fast ertrunken ist. Das Mädchen heißt Valerie, acht Jahre alt. Sie wollte nach einem Stein zum Spielen fassen. Dabei ist sie ausgerutscht.

Haben Sie den Eindruck, dass Ihr Hund weiß, was er getan hat?

Sicher war ich mir in dem Moment, als Hunter zu Valerie geschwommen ist, nicht. Womöglich will er einfach mit einem schwimmenden Kind spielen, dachte ich kurz. Hunter ist ja noch jung, elf Monate alt. Inzwischen habe ich mit einem Züchter gesprochen. Hunter ist ein Kangal, das ist eine Art, die ursprünglich in Anatolien Schafe und Ziegen beschützt hat. Dass Hunter jemanden instinktiv beschützen will, ist gut möglich.

Hat er sich irgendwie verändert seither?

Das hat er tatsächlich. Hunter macht beim Arbeiter-Samariter-Bund eine Ausbildung zum Personenspürhund. Hunde werde darauf geschult, die Spur von Vermissten aufzunehmen. Seit dem Vorfall am Main ist er wesentlich konzentrierter bei der Sache.

Er dürfte auch entsprechend belohnt worden sein an jenem Tag am Main.

Wovon Sie ausgehen können. Was mich und Hunter besonders gefreut hat: Die Familie vom Campingplatz, deutschstämmige Holländer, haben sich zwei Tage danach durchgefragt zu uns. Sie haben sich in Garstadt einfach nach einer Familie mit großem Hund erkundigt. Hunter hat bei dem Besuch reichlich Leckerein bekommen. Und nächstes Jahr will die Familie wieder zu uns nach Franken kommen.

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