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Datenspeicherung:Plötzlich kommen alle Kunden aus Brunsbüttel

Christoph Weiherer

Der bayrische Liedermacher Christoph Weiherer ärgert sich über massenhafte Datenspeicherung.

(Foto: Jakob Berr)

Christoph Weiherer ärgert sich darüber, an der Kasse nach seiner Postleitzahl gefragt zu werden. Aus Protest ruft der Musikkabarettist dazu auf, die Nummer einer norddeutschen Kleinstadt zu nennen.

Interview von Andreas Glas

In einem Facebook-Video ruft Christoph Weiherer, 36, die Menschen dazu auf, immer die 25541 anzugeben, wenn sie an der Supermarktkasse nach ihrer Postleitzahl gefragt werden. Der in Burghausen geborene Musikkabarettist will damit gegen die Datensammelwut der Konzerne rebellieren - auf Kosten einer kleinen norddeutschen Stadt: Brunsbüttel.

SZ: Herr Weiherer, was haben Sie denn gegen die Menschen aus Brunsbüttel?

Christoph Weiherer: Überhaupt nichts. Das sind vermutlich ganz nette Leute, ich kenne die ja noch gar nicht.

Die armen Brunsbütteler.

Das war reiner Zufall. Ich bin halt gegen diese Datensammelwut von Konzernen und mich nervt es, dass jeder an der Kasse im Supermarkt oder im Baumarkt nach irgendwas gefragt wird. Treueherzen, Payback-Karte oder eben die Postleitzahl. Dagegen möchte ich rebellieren. Ich habe schon früher immer die falsche Postleitzahl angegeben, wenn ich gefragt wurde. Und irgendwann ist mir dann beim Duschen eingefallen, dass ich daraus ein Programm machen könnte.

Also musste Brunsbüttel dran glauben.

Damals gab es ja viele Medienberichte über das Atomkraftwerk in Brunsbüttel. Wahrscheinlich habe ich den Ort deshalb im Ohr gehabt. Und gerade in Bayern ist Brunsbüttel natürlich ein sehr, sehr lustiges Wort. Das hat einfach gepasst.

Deshalb rufen Sie Ihr Publikum dazu auf, an der Kasse die Brunsbütteler Postleitzahl anzugeben: 25541.

Wenn jeder Mensch in Deutschland in Zukunft an der Kasse nur noch die Postleitzahl von Brunsbüttel angibt, dann war die ganze Statistikerhebung umsonst und die Statistiker können wegen einem bayerischen Hanswurscht ihre komplette Marketingstrategie vergessen.

Oder Brunsbüttel wird mit Werbung "zugeschissen", wie Sie es gern formulieren.

Da habe ich kein schlechtes Gewissen. Ich bin vermutlich der Erste seit Langem, der die Stadt positiv in die Medien bringt. Wenn man Brunsbüttel kennt, dann ja eigentlich nur wegen Meldungen über AKW-Störfälle oder undichte Fässer.

Sie machen den Brunsbüttel-Gag mittlerweile seit sechs Jahren. Warum verbreitet sich diese Sache erst jetzt so rasant?

Auf Youtube gibt es zehn verschiedene Videos davon, aber die haben alle nicht so viel Beachtung gefunden. Bis im Sommer eine norddeutsche Radiomoderatorin in Bayern unterwegs war und die Nummer gehört hat. Im Norden bin ich dann eine Woche lang im Radio gelaufen, worauf ich noch mal ein Video auf meiner Facebook-Seite hochgeladen habe, damit die Leute die ganze Geschichte kennenlernen. Innerhalb von vier Wochen hatte das Video zwei Millionen Aufrufe. Anscheinend habe ich da einen Nerv getroffen.

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