Hubschrauber für G-7-Gipfel Spritztour mit Spucktüte

Nervös ist Christian Schreier nicht mehr, wenn er Gäste wie Merkel durch die Gegend fliegt. Alles Routine.

(Foto: lukasbarth.com)

Bundespräsidenten, Bundeskanzler, Minister: Pilot Christian Schreier hat sie alle schon geflogen. Auch beim G-7-Gipfel ist er im Einsatz. Nur ein Staatschef steigt nicht bei ihm ein.

Reportage von Thierry Backes, Ohlstadt

Die Maschinen schweben sanft über die Landebahn, drehen sich um 90 Grad nach links und setzen auf, eine nach der anderen, acht an der Zahl. Für die Einsatzkräfte von Feuerwehr, Polizei und THW, die zum G-7-Gipfel auf dem schwer bewachten und mit Stacheldraht umzäunten Sportflugplatz in Pömetsried bei Ohlstadt Dienst schieben, muss das aussehen wie eine Flug-Show: Sie stehen auf dem Vorfeld und zücken ihre Handys. Für die Piloten der Bundespolizei aber ist das hier keine Show, sie üben für den Ernstfall.

Die Fliegergruppe ist für den Transport der Staatsgäste zuständig, und wenn es im Elmauer Hochtal gewittert, müssen die Helikopter hier landen, gut 20 Kilometer nördlich von Garmisch-Partenkirchen. Die Rotoren der acht Super Puma , Typ AS 332 L1, drehen weiter, zwei, drei Minuten vielleicht, dann heben die Hubschrauber in Pömetsried wieder ab. Es geht zurück nach Oberschleißheim nördlich von München. Dort hat die Bundespolizei für den G-7-Großeinsatz insgesamt 30 Hubschrauber und 507 Mitarbeiter zusammengezogen.

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Staatsgäste zu transportieren, ist für den Piloten Routine

Einer von ihnen ist der Pilot Christian Schreier, 51. Er ist seit 1983 im Flugdienst, und wenn man ihn fragt, ob er nervös sei, wenn Angela Merkel oder David Cameron in seine Maschine einsteigen, winkt er nur ab. Staatsgäste zu transportieren, das ist für ihn zwar kein Alltag, aber doch Routine. In seiner Laufbahn hat er sie fast alle schon mal geflogen: Bundespräsidenten, Bundeskanzler, Minister. "Schweißhände kriege ich davon nicht mehr", sagt Schreier, "aber natürlich will man bei solchen Anlässen ein gutes Bild abgeben."

Dazu gehört auch: Komfort. In den 15 Super Pumas, die für den Transport der Gäste vom Flughafen München nach Elmau vorgesehen sind - die restlichen 15 haben andere Aufgaben -, werden eigens graue Teppiche verlegt. Zwei der Maschinen verfügen über eine sogenannte Schallschutzkabine, und wo sonst bis zu 18 Passagiere reinpassen, werden zum G-7-Gipfel gerade einmal acht sitzen.

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Die Bundespolizei versteht sich dieser Tage als Dienstleister der Bundesregierung. Für Schreier heißt das, dass er mit seinem Kopilot und einem Flugtechniker hin und her fliegen muss, je nachdem, wo die Hubschrauber gerade gebraucht werden. Den Flug nach Elmau haben die Piloten schon vor Monaten im Simulator geübt, er dauert bei gutem Wetter 20, 25 Minuten. Schreier und seine Kollegen fliegen dann auf einer Höhe von 500 bis 600 Meter über dem Terrain und mit einer Geschwindigkeit von 220 bis 240 Kilometern pro Stunde. "Ein Helikopterflug ist ungefähr drei Mal so schnell wie eine Autofahrt", erklärt er.

Nur Barack Obama wird nicht bei Christian Schreier einsteigen. Er kommt mit einem eigenen Helikopter.

(Foto: lukasbarth.com)

Obama kommt mit seinem eigenen Heli

Die Super Pumas - Stückpreis 24 Millionen Euro, 545 Liter Kerosin pro Stunde - sind die größten Maschinen, die die Bundespolizei fliegt. Dabei gelten sie im Jargon als MTHs, als mittlere Transporthubschrauber. Sie sind nicht bewaffnet und werden eingesetzt, um Truppen zu verlegen, Waldbrände zu löschen oder um Menschen aus Hochwassergebieten auszufliegen. Und nun eben, um sechs der mächtigsten Menschen der Welt zu transportieren. Sechs? Richtig: Barack Obama fliegt nicht mit der Bundespolizei, er kommt mit seinem eigenen Heli.

Vor dem Abflug begrüßt Schreier die Politiker. Ein Handschlag, ein paar nette Worte, ein paar Informationen zum Flug, mehr nicht. "Man hat schon Kontakt mit den Fluggästen", sagt er. "Das muss man sich so vorstellen, wie wenn die bei einem im Taxi säßen."

Benötigt 545 Liter Kerosin pro Stunde: eine Super Puma der Bundespolizei über Oberbayern.

(Foto: Thierry Backes)

Wer in eine Super Puma einsteigt, bekommt eine Safety Card in die Hand gedrückt und Anweisungen vom Kopiloten, für den Fall, "dass wir so landen müssen, wie wir es nicht wollen". An der Decke leuchten die "Nicht rauchen"- und "Bitte anschnallen"-Zeichen, die man aus Passagiermaschinen kennt, und natürlich gibt es auch Spucktüten. Wenn der Pilot die Rotoren anwirft - Durchmesser: 15,6 Meter - knattert es sehr schnell so laut in der Kabine, dass man die polizeigrünen Kopfhörer aufsetzen muss, die in Plastiktüten bereitliegen.

Schreier sagt zwar, das Fliegen im Helikopter sei "sehr bequem geworden". Aber in der Luft fühlt es sich hin und wieder an, als schwebe man permanent in einem Luftloch. Das gilt insbesondere über den Alpen und gerade bei einem Formationsflug, bei dem der Abstrahl des Vorfliegers für Unruhe in der Kabine sorgt. Als Bundeskanzlerin, das ist die Erkenntnis, braucht man einen robusten Magen.