Corona-Hilfe:Hubert Aiwanger und das Hendl-Gleichnis

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Der Freie-Wähler-Chef verkündet stolz, dass er recht hatte in Sachen Gastronomen und Versicherung. Die Grünen sind mehr als irritiert darüber.

Von Johann Osel

Da war das Hendl-Gleichnis von Hubert Aiwanger, im Mai 2020. Es ging um Gastwirte, deren Versicherungen unter Verweis aufs Kleingedruckte nicht zahlten im Corona-Lockdown. Und um den Wirtschaftsminister (FW), der einen Kompromiss in Bayern erfand. Verkürzt: halbe Summe nach Abzug staatlicher Leistungen, wenn beide Seiten es wollen. Das sei, erklärte Aiwanger wortreich, wie wenn man "jetzt schon das halbe Hendl bratfertig am Tisch" habe.

"Alternative wäre gewesen, wenn ich mich zurücklehne, dass ich sag, da läuft das Hendl irgendwo hinten im Garten rum, fang dir's ein, dann hast du ein ganzes Hendl" - und bekomme es auf dem Klageweg am Ende vielleicht gar nicht zu Gesicht.

Viele fühlten sich an Edmund Stoibers Transrapid-Gestammel erinnert ("in zehn Minuten"), in etwa die Zeit fiel Aiwangers Bierbankrede zu den Abstandsregeln, "sechs bis acht Leute, jeder mit seinem Kumpel". Das Netz johlte, auch inhaltlich kam Spott auf über die Hendl-Idee. Ein "Kuhhandel", rügten etwa die Grünen, der Deal sei "für den hemdsärmeligen Minister eine Nummer zu groß".

Eine Meldung des Ministeriums am Freitag strotzte vor Genugtuung. Der Bundesgerichtshof (BGH), bei dem ein Streit zwischen Wirt und Versicherung landete, hatte zuvor entschieden: Steht Corona nicht explizit im Vertrag, gibt's kein Geld; eine Police biete nicht Schutz für jede neue Krankheit. "Bedauerlich für die Gastronomie", teilte Aiwanger mit, aber das zeige, "dass wir von Beginn an mit unserer bayerischen Lösung richtig lagen".

Etwa drei Viertel der Betriebe hätten Angebote ihrer Versicherer angenommen, seien im Ergebnis besser gefahren. "Die grünen Dauernörgler wie Landtagsfraktionschef Hartmann" sollten sich für den Hohn damals entschuldigen, "viele Versicherte haben auch aufgrund dieser Kritik den Vergleich nicht angenommen".

Ludwig Hartmann konterte: "Angesichts des größten Gastronomiesterbens in der Geschichte Bayerns müsste der Wirtschaftsminister eigentlich einen Trauermarsch anstimmen. Stattdessen singt er Jubelarien wegen eines Gerichtsentscheids, der vielen kleinen Wirtsleuten die Existenzgrundlage entzieht, indem er große Versicherungskonzerne entlastet."

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