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Holzkirchen:Gemeinsame Sache

Oberland-Initiative fordert übergreifendes Verkehrskonzept

Direkt vor dem Wirtshaus liegt eine Bushaltestelle, von Montag bis Freitag fährt die Linie 9001 dreimal am Tag von Holzkirchen die paar Kilometer hier heraus nach Großhartpenning. Unter anderem deswegen sind die allermeisten selbst mit dem Auto gekommen, viele immerhin in Fahrgemeinschaften. Rund zwei Dutzend Vertreter von insgesamt neun Bürgerinitiativen und Verbänden zwischen Weilheim und Holzkirchen haben sich in Großhartpenning versammelt, um ihren Zusammenschluss zur "Oberland-Initiative für Ökologie und Verkehr" zu erläutern. Auf diese Weise wollen sie ihren jeweils eigenen Kampf gegen bestimmte Ortumfahrungspläne auf eine höhere Ebene heben.

In Holzkirchen habe man die "Zeit des Sankt-Florians-Prinzips" inzwischen hinter sich gelassen, sagt Fred Langer als zweiter Vorsitzender einer Bürgerinitiative (BI), die schon seit geschlagenen 40 Jahren gegen eine Südumfahrung um den Ort kämpft. Bisher habe jede neue Trassenvariante neue Betroffenheiten erzeugt und damit oft auch zur Gründung einer neuen Bürgerinitiative geführt, doch jetzt mache man mehr gemeinsame Sache. Das wollen mehrere Bürgerinitiativen aus dem Raum Holzkirchen und Hartpenning, eine aus dem ebenfalls im Landkreis Miesbach gelegenen Waakirchen sowie eine von einer ganzen Handvoll Bürgerinitiativen zur Weilheimer Ortsumfahrung nun auf Oberland-Ebene tun. Zuletzt haben sich dem auch die Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal und der Bund Naturschutz in Miesbach angeschlossen. Speziell in Holzkirchen, Waakirchen und Weilheim sollen die Staatlichen Bauämter in diesem Sommer ihre Pläne für Umfahrungen vorlegen. Die verschiedenen Varianten sind heftig umstritten, zum Teil gibt es konkurrierende Initiativen und auch Gruppen, die ausdrücklich den Bau von Umfahrungen verlangen. Manchen gilt der vergleichsweise teure Bau von Tunneln als Königsweg.

In dieser Situation will die Oberland-Initiative den Blick auf größere Zusammenhänge richten und verlangt ein übergreifendes Verkehrskonzept für die gesamte Region. Alle Ebenen vom Bund über den Freistaat bis zu den einzelnen Landkreisen müssten endlich zu einer koordinierten Planung finden, statt immer nur jeder für sich Einzelprojekte voranzutreiben, die das Problem dann eben in den nächsten Ort verlagerten. Grundsätzlich müssten in der Wachstumsregion südlich von München der öffentliche Nahverkehr deutlich ausgebaut, Takte verdichtet, das Schienennetz ertüchtigt, neue Linien geschaffen und auch die E-Mobilität gefördert werden. Immer nur neue Straßen zu bauen erzeuge immer nur neuen Straßenverkehr, zerstöre wertvolle Landschaft, befeuere den Flächenfraß und auch den Ausstoß von klimaschädlichem Kohlendioxid.

Erste Vorstöße der Oberland-Initiative ließen Verkehrsminister Hans Reichhart (CSU) sowie Umweltminister Thorsten Glauber (FW) abtropfen, doch im Hinblick auf die anstehenden Trassenentscheidungen und die Kommunalwahlen 2020 wollen die versammelten Bürgerinitiativen den Druck erhöhen. "Wir sind viele, sehr viele", sagt dazu der BI-Vorsitzende Lars Hülsmann aus Waakirchen.

© SZ vom 21.03.2019 / kpf

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