Holocaust-Zeitzeuge Hugo Höllenreiner ist tot

Im Alter von 81 Jahren verstorben: der Holocaust-Zeitzeuge Hugo Höllenreiner.

(Foto: lok)
  • Der Holocaust-Überlebende Hugo Höllenreiner ist im Alter von 81 Jahren gestorben.
  • Er war einer der wichtigsten Zeitzeugen der Verfolgung von Sinti während der Zeit des Nationalsozialismus.

Was Höllenreiner während des Holocausts durchmachte

Der Holocaust-Überlebende und Zeitzeuge Hugo Höllenreiner ist tot. Er starb am Mittwochabend in Ingolstadt im Alter von 81 Jahren, wie der Verband Deutscher Sinti und Roma mitteilt.

Höllenreiner, der 1933 auf die Welt kam und als Sinto im Stadtteil Giesing aufwuchs, war Drittklässler, als er 1943 vom Güterbahnhof Milbertshofen aus nach Auschwitz-Birkenau deportiert wurde. Dort wurde er zum Opfer von Experimenten des Lagerarztes Josef Mengele. Später kam Höllenreiner in die Konzentrationslager Mauthausen und Bergen-Belsen, wo ihn 1945 britische Soldaten befreiten.

Zeitzeugen berichten von ihrem Martyrium in Auschwitz

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Vor gut 20 Jahren begann er, in Schulen von seinen Erlebnissen während der Zeit des Nationalsozialismus zu erzählen.

Im Jahr 2005 wurde die von Anja Tuckermann beschriebene Lebensgeschichte von Hugo Höllenreiner unter dem Titel "Denk nicht, wir bleiben hier!" veröffentlicht. Das Buch wurde im Jahr 2006 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet.

Welche Auszeichnungen er für sein Engagement bekam

Lange blieb ihm Anerkennung für sein Wirken als Zeitzeuge verwehrt. Erst 2013 wurde Höllenreiner der Austrian Holocaust Memorial Award des Österreichischen Auslandsdienstes verliehen. 2014 bekam er von der Landeshauptstadt die Medaille "München leuchtet".

Der Vorsitzende des bayerischen Landesverbands Deutscher Sinti und Roma, Erich Schneeberger, erklärt: Die Auftritte Höllenreiners vor tausenden bayerischer Schüler seien "ein unschätzbarer Beitrag in der politischen Bildungsarbeit im Freistaat Bayern" gewesen. Die bayerischen Sinti und Roma verlören "einen der letzten Zeitzeugen des nationalsozialistischen Völkermords an unseren Menschen und einen bedeutenden Kulturträger".

Charlotte Knobloch, die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, würdigte Höllenreiner als einen "großartigen Menschen, der als Zeitzeuge sein Leben dem aktiven Wachhalten der Erinnerung an die Verfolgung und Ermordung der Sinti und Roma durch die Nationalsozialisten gewidmet hat". Kein Buch und kein Film könnten "die Begegnung und das Gespräch mit Menschen wie mit Hugo Höllenreiner ersetzen".