An ihren ersten Besuch in Hof kann Julia von Heinz sich noch genau erinnern. 22 Jahre ist das her, damals freute sie sich über die Filmtage-Einladung ihres Kurzfilms „Lucie & Vera“. Heute ist sie erfolgreiche Regisseurin, sie dreht Kinohits („Ich bin dann mal weg“) und Serien („Eldorado KaDeWe“), darüber hinaus ist sie Professorin in der Abteilung Kino- und Fernsehfilm an der HFF München.
„Mein berufliches Leben wurde durch die erste Einladung nach Hof mit initiiert“, erinnert sie sich im SZ-Gespräch. Eine WDR-Redakteurin, die sie bei den Filmtagen kennenlernte, unterstützte sie daraufhin bei ihrem Spielfilmdebüt „Was am Ende zählt“ (2007). Ein Jahr später kehrte sie mit dem Dokumentarfilm „Standesgemäß“ zu den Filmtagen zurück. „Ihre Karriere ist untrennbar mit Hof verbunden“, sagt der Künstlerische Leiter des Festivals, Thorsten Schaumann. Er beschreibt die 1976 geborene Filmemacherin als „reflektiert, tiefgründig und gesellschaftlich engagiert“. Die Hommage der 59. Hofer Filmtage ist ihr gewidmet.
Dass man in Hof gerne dem Festival treu verbundene Filmemacher wie Rosa von Praunheim, Maria Schrader, Barbet Schroeder oder das wilde Filmkollektiv rund um Roland Reber auszeichnet, ist nicht ungewöhnlich. Jetzt also kommt Julia von Heinz dran, die selbst übrigens nie Regie studiert hat. Mit Filmen wie „Hannas Reise“ oder „Treasure“ verarbeitete sie den Holocaust, im zum Festival in Venedig eingeladenen Drama „Und morgen die ganze Welt“ ging es um ihre eigene Jugend in der Antifa. Zu jener Zeit lernte sie auch ihren Mann John Quester kennen, der oft an ihren Filmen (als Drehbuchautor und Produzent) beteiligt ist.
„Das persönliche Kennen einer Materie ermöglicht ein noch genaueres Erzählen“, sagt sie. „Wenn man etwas selbst erlebt oder gefühlt hat, kann man diese Gefühle oft noch besser an das Publikum weitergeben.“ In Hof werden zehn Filme von ihr gezeigt, viele beschäftigen sich mit der deutschen Geschichte, viele weisen biografische Verbindungen auf. Sie wird bei den Vorstellungen anwesend sein, eine Masterclass steht ebenfalls auf dem Programm. Die Hommage sei auch eine Art Zäsur, sagt sie, nach ihrer sogenannten „Aftermath-Trilogie“ (mit Filmen über die Auswirkungen des Holocaust auf die Nachgeborenen) will sie sich in Zukunft anderen Themen widmen.
Ein neues Projekt gibt es bereits: Ihr nächster Film wird eine internationale Komödie, für die Hauptrollen in „She Gets It For Me“ konnte sie die Hollywood-Stars Marisa Tomei und Rachel Zegler gewinnen. Die beiden spielen Mutter und Tochter, die sich erst später im Leben kennenlernen. Auf die Frage, wann es mit dieser deutsch-amerikanischen Produktion losgeht, antwortet Julia von Heinz lachend: „Ich sitze auf gepackten Koffern und warte auf mein Arbeitsvisum.“

