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Hof :Wunderschön hier, aber pssst!

589. Hofer Schlappentag

Ob sie die Innenstadt Freunden und Bekannten weiterempfehlen würden, wollten die Frager von den Hofern wissen.

(Foto: Nicolaus Armer/dpa)

Die Hofer lieben ihre Stadt, ganz bestimmt. Nur binden sie es halt nicht jedem auf die Nase, schon gar nicht irgendwelchen Leuten von irgendeinem Institut. Oder welche Erklärung sollte es sonst für schlechte Umfragewerte der Stadt geben?

Glosse von Olaf Przybilla

Bayern ist schön, seine Landschaften typisch, die Bauwerke weltberühmt. Man legt Wert auf gepflegte Gastlichkeit und ist stolz auf seine Spezialitäten. Oder um es mit Horst Seehofer zu sagen: Bayern ist die Vorstufe zum Paradies. Und Seehofer muss es ja wissen.

Ganz Bayern? Selbstverständlich. Und ja: selbstredend auch Hof.

Nun soll nie fragen, wer keine doofe Antwort bekommen will. Andererseits wissen schon Konsumenten der "Sesamstraße", dass dumm bleibt, wer nicht fragt. Oder wenigstens mal fragen lässt.

Neun Städte in Bayern haben das beherzigt und gleich die Profis rangelassen. Sollen die das mal machen: Sich in der Innenstadt umhören und die Leute ausquetschen, wie das da so ist mit der gepflegten Gastlichkeit, den berühmten Bauwerken, dem Stolz auf heimische Spezialitäten. Zumindest im übertragenen Sinne, weil der Profi natürlich ganz anders fragt.

Und übrigens ganz diskret ist, weil das Verbreiten der guten (oder eben mittelguten) Frageergebnisse natürlich "exklusiv bei den Städten" liegt, wie die Profifrager zusichern. Wobei freilich nie ganz auszuschließen ist, dass sich auch halbschöne Ergebnisse irgendwann rumsprechen.

Also raus damit, hilft ja nichts. Seite 41 der Studie: Ob sie die Hofer Innenstadt Freunden und Bekannten weiterempfehlen würden, wollten die Frager wissen. Klar doch, antworteten die in Hof Befragten. Allerdings nur 22,4 Prozent davon.

Aber ist das nicht normal, dass der aufgeklärte Passant ein gesundes Bewusstsein für städtischen Optimierungsbedarf zur Schau trägt? Mag sein, andernorts aber würde fast jeder Zweite seine Stadt empfehlen. Nicht nur etwa jeder Fünfte.

Könnte es dann daran liegen, dass da vergleichsweise in Starnberg und Garmisch nachgefragt wurde - und so ein Vergleich mit Hof schlicht unfair ist? Nö. Gefragt wurde in 39 ähnlich großen deutschen Städten, unter anderem in Eberswalde, Soest und Bitterfeld-Wolfen.

Ja dann! Dann muss es wohl an der kritischen Potenz des fränkischen Geistes an sich liegen. Sollen sie sich in Bietigheim-Bissingen toll finden, in Franken bleibt man wach und prüft sich selbst.

Darauf ein Bier. Übrigens: In Hof kommen 9,7 Prozent der Passanten der Kneipen wegen in die Stadt. Der Vergleichswert (28,7) tut hier nichts zur Sache.

© SZ vom 17.06.2021/vewo
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