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Hof:Kirchenvorstand droht Abschiebung

Behörden wollen zum Christentum konvertierten Mann abschieben. Doch in Afghanisten könnte ihm die Todesstrafe drohen, fürchten Unterstützer

Von Dietrich Mittler, München/Hof

Die Zentrale Ausländerbehörde in Bayreuth will einen vor vier Jahren zum Christentum konvertierten Asylbewerber nach Afghanistan abschieben - und das trotz seiner Funktion als Mitglied im Kirchenvorstand der Hofer Gemeinde Sankt Michaelis. "In Afghanistan droht Naser R. allein schon für seinen Glaubensübertritt die Todesstrafe", sagte der Hofer Dekan Günter Saalfrank am Montag. Dem sogenannten Weltverfolgungsindex zufolge sei Afghanistan nach Nordkorea "das Land, in dem Christen am meisten um ihr Leben fürchten müssen".

Elisabeth Frisch, die Flüchtlingsbeauftragte im Dekanat Hof, die Naser R. bei seinem jüngsten Behördenbesuch begleitet hatte, sagte: "Ihm wurde bedeutet, dass er beim nächsten Schub nach Kabul mit dabei ist." Der 28-jährige Asylbewerber - sein Erstantrag wurde abgelehnt - war im Oktober 2016 in Hof getauft worden. Seit Ende 2018 ist er im Kirchenvorstand aktiv. Naser R., so machte Dekan Saalfrank deutlich, sei "ein Mensch, der den christlichen Glauben wirklich lebt". Also keiner, der aus asyltaktischen Gründen konvertierte. Das sei aber weder vom Bundesamt für Flüchtlinge und Migration noch vom Verwaltungsgericht Bayreuth anerkannt worden.

Hinzu komme, dass Naser R. gar nicht in Afghanistan aufgewachsen sei, sondern als Sohn eines afghanischen Flüchtlings im Iran. "Er käme im Falle der Abschiebung in ein Land, in dem er noch nie war und in dem er keine Angehörigen hat", so der Hofer Dekan. In einem offenen Brief an Ministerpräsident Markus Söder (CSU) fordert die Hofer Kirchengemeinde, Naser R. "eine Perspektive" zu geben. Die ihm in Afghanistan drohende Todesstrafe sei für die Gemeinde "ein unerträglicher Gedanke".

In diesem Sinne äußerte sich auch der evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm: "Es betrübt mich sehr, dass ein Kirchenvorsteher einer evangelischen Kirchengemeinde in Bayern von Abschiebung bedroht ist." Er hoffe, dass in Gesprächen mit Verantwortlichen "eine Lösung gefunden werden kann". Die Abschiebung müsse verhindert werden. Alexandra Hiersemann, die asylpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, sprach von einem "mehr als beschämenden Vorgang". Naser R. drohe in ein Land abgeschoben zu werden, in dem Konvertiten "kaum mit Gnade rechnen können".

© SZ vom 22.09.2020

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