Mitten in Bayern:Taferl wechsle dich

Auf dem Hinteren Hörnle tobt ein Streit über eine Art hölzernes Kriegerdenkmal

Von Matthias Köpf, Bad Kohlgrub

Mitten in Bayern: Nach dem ersten Besuch von Aktionskünstler Wolfram Kastner im August blieb die Tafel der Edelweiß-Trachtler mit einem geschwärzten "niemals" zurück.

Nach dem ersten Besuch von Aktionskünstler Wolfram Kastner im August blieb die Tafel der Edelweiß-Trachtler mit einem geschwärzten "niemals" zurück.

(Foto: privat)

Vom Bad Kohlgruber Hausberg Hörnle gibt es eigentlich gleich drei, nämlich das Vordere, das Mittlere und das Hintere. Vom Hinteren Hörnle, einem 1548 Meter hohen Ausblicksberg, ginge es noch hinüber zum Stierkopf. Davon gibt es da droben aber leider nur einen - womöglich weil sie im Tal schon Stierköpfe genug haben. Jedenfalls hängen am Hörnle ein paar Leute einigen anderen statt roter Tücher schon seit einer Weile Tafeln vor die Hörner. Der Effekt ist der gleiche.

Der Anlass des Streits ist angeblich sehr alt. Dass diese erste hölzerne Tafel "immer schon" am Gipfelkreuz gehangen habe, wie es aus Kohlgrub heißt, kann aber kaum stimmen. Schließlich stammt sie laut Aufschrift aus dem Jahr 1934, damals offenbar "errichtet vom G.T.E.V. Edelweiß Bad Kohlgrub". Später wurden den Jahren "14-18" für den Ersten Weltkrieg die Jahre "39-45" für den Zweiten hinzugefügt. Dass auf der Tafel "unsere Helden" gegrüßt werden, deren "Geist und Opfermut im Volk niemals verwelken" mögen - auch das wäre mit der Zeit langsam, aber gnädig verwittert. Nur hat der Gebirgstrachtenerhaltungsverein Edelweiß die Tafel samt Daten, Helden, Geist und Opfermut vor rund zwei Jahren erneuert.

Das hat einen geschichtssensiblen Wanderer irritiert, der einen laminierten Zettel mit kritischem Text dazugehängt hat. Der Zettel war schnell weg, dafür kam der Wanderer später mit dem Linken-Politiker Klaus Weber und dem Aktionskünstler Wolfram Kastner zurück. Sie hängten eine ähnliche Holztafel auf, die eher den Frieden als den Krieg verherrlichen sollte. Diese Tafel hing dann aber auch nicht immer schon, sondern höchstens ein paar Tage. Weber stellte Strafanzeige wegen Sachbeschädigung, wobei der Gebirgstafelerhaltungsverein eher sein Gipfelkreuz beschädigt sah. Außerdem blieb nach dem Abstieg der Pazifisten die alte Tafel mit einem geschwärzten "niemals" zurück, auf dass derlei Geist und Opfermut im Volk eben doch verwelken.

Dabei sollte es natürlich nicht bleiben, und neulich hat dann schon wieder wer eine Tafel graviert. Auf der grüßen "keine Helden" und "falscher Opfermut" möge "für immerdar verwelken". Dass diese Tafel der G.T.E.V. Edelweiß errichtet hat, darf bezweifelt werden, obwohl Kastner sich bei ihm ausdrücklich dafür bedankt hat. "Für immerdar"? Die Gravierkolben glühen.

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