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Hochwasser:Simbach diskutiert über das verstopfte Rohr

Kaputtes Rohr Simbach

Dieses geplatzte Rohr hat vermutlich die Überschwemmungen ausgelöst.

(Foto: Rudolf Neumaier)
  • Der Simbacher Stadtrat hat sich mit den möglichen Ursachen der Flutwelle am 1. Juni befasst.
  • Einige halten es für wahrscheinlich, dass ein verstopftes Rohr zu einem Dammbruch führte.
  • Bürgermeister Klaus Schmid will weitere Faktoren nicht ausschließen.

Zehn Tage nach dem verheerenden Hochwasser diskutiert Simbach am Inn über die Ursachen. Dabei geht es vor allem um die Rolle, die ein verstopftes Durchlassrohr für den Simbach und ein Dammbruch spielt. Der Simbacher Stadtrat und Diplom-Physiker Max Winkler gehört zu denen, die die Flutwelle eindeutig auf den Bruch eines Straßendammes im Stadtnorden zurückführen.

Der Dammbruch wiederum resultierte daraus, dass das in die Aufschüttung eingebaute Rohr des Simbachs durch angeschwemmte Bäume und Sträucher verstopfte. Wer ortskundig sei und den gigantischen See gesehen habe, der sich wegen der extremen Niederschläge binnen weniger Minuten vor dem Straßendamm bildete, könne als Hauptursache nur diesen Dammbruch ansehen. Dies sei auch bei einer Stadtratssitzung am Donnerstagabend Konsens gewesen, sagt der Stadtrat der Unabhängigen Simbacher Bürgerliste.

Bürgermeister Klaus Schmid (CSU) nannte den Dammbruch dagegen "nur einen möglichen von mehreren Faktoren" für die Katastrophe. Hauptursache seien "sicherlich die Wassermassen" gewesen. Die Frage, welche weiteren Faktoren die plötzliche Flutwelle am Nachmittag des 1. Juni auslösten, beschäftigt das Stadtoberhaupt derzeit nicht: "Für Ursachenforschung ist jetzt noch keine Zeit. Wir müssen erst schauen, dass wir wieder überall Trinkwasser bekommen." Das Technische Hilfswerk (THW) meldet, es habe bislang mehr als 2,3 Millionen Liter Trinkwasser in Simbach aufbereitet - "damit handelt es sich schon jetzt um den größten Trinkwassereinsatz des THW aller Zeiten in Deutschland". Ein Ende sei nicht in Sicht.

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Für Schmids Vorvorgänger Richard Findl steht der Zusammenhang zwischen Dammbruch und der Flutwelle dennoch außer Frage. Findl war von 1984 bis 2008 Bürgermeister in Simbach. Er erzählt, nach dem letzten Hochwasser im Jahr 1999 habe allen Ernstes ein Anwohner gefordert, das Simbachrohr unter dem Straßendamm mit einem Deckel zu versehen, um das Wasser bei Überschwemmung zurückzuhalten.

"Das hätte niemals funktioniert, weil ja nicht die Voraussetzungen eines massiven Dammes gegeben waren", sagt Findl. Seine Einschätzung von damals habe sich beim Dammbruch am 1. Juni bestätigt. Der Schwall riss innerhalb kürzester Zeit das gelagerte Holz eines Sägewerks mit, das gleich hinter dem geborstenen Straßendamm liegt. Das Holz türmte sich dann in der Stadt.

"Man hat geglaubt, die Welt geht unter", sagt der CSU-Stadtrat und Landwirt Paul Schwarz. Die reißenden Bäche aus dem Hinterland hätten "Bäume wie Zündhölzer" mitgerissen, was zur Verstopfung der Röhre führte. Kurz bevor der Damm bröckelte, habe er ihn mit dem Traktor passiert und auf der anderen Flussseite mit der Schaufel seines Frontladers einen Mann gerettet, der mit seinem Auto ins Wasser geraten war. Dieser Mann konnte sich nicht mehr selbst in Sicherheit bringen, er war Rollstuhlfahrer. Wie Max Winkler ist sich Paul Schwarz sicher: "An diese Stelle gehört jetzt eine Brücke gebaut und keine Röhre mehr." Vorerst werde eine Behelfsbrücke errichtet.

Als Landwirt wehrt sich Schwarz aber gegen Vorwürfe, der Maisanbau sei Ursache für die Schlammmassen, die Simbach zusetzten. Durch die Anbaumethode mit Weidelgras sei der Boden sehr gut gegen Erosionen geschützt. "Der Boden ist unser Kapital, den machen wir uns doch nicht kaputt." Der meiste Schlamm, sagt Schwarz, stamme aus den Bachbetten.

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