Hochwasser in Bayern befürchtet Wasser ohne Ende

Ein schöner Sommer sieht anders aus: Mehr als 70 Liter Regen pro Quadratmeter sind in Teilen Bayerns innerhalb von 24 Stunden gefallen.

Landunter in Teilen Bayerns - ein Bundesland kann eigentlich nicht ertrinken. Trotzdem passt dieser Satz: Bayern ertrinkt fast im Regen. An mehreren Orten fielen binnen 24 Stunden mehr als 70 Liter Regen pro Quadratmeter - das ist so viel wie normalerweise etwa in Düsseldorf im ganzen Monat Juni, wie der private Wetterdienst Meteomedia am Dienstag in Bochum mitteilte. Der Deutsche Wetterdienst warnte am Dienstagvormittag vor Überschwemmungen und vor Erdrutschen. In den Bergen schneite es.

Nasse Straßen - Aquaplaning. Zahlreiche Straßen im Kreis Garmisch-Partenkirchen wurden aufgrund von Hochwasser gesperrt. An mehreren Orten in Bayern fielen binnen 24 Stunden mehr als 70 Liter Regen pro Quadratmeter.

(Foto: Foto: dpa)

Schnee in den bayerischen Bergen

"Auf der Zugspitze sind seit Montagmorgen 60 Zentimeter Neuschnee zusammengekommen," berichtete Meteorologe Stefan Laps von der Meteomedia-Unwetterzentrale in Bochum. "Am Dienstagmorgen betrug die Gesamtschneehöhe auf der Zugspitze 275 Zentimeter." Auch in den Allgäuer Alpen waren die Gipfel oberhalb von 1800 Metern in winterliches Weiß getaucht. Die Hüttenanstiege seien zum Teil schneebedeckt und nur mit entsprechender Ausrüstung und Erfahrung begehbar. "Wenn die Wege zugeschneit sind und gleichzeitig noch etwas Nebel herrscht, kann man schnell die Orientierung verlieren", warnte Moritz Zobel, Alpinberater in Oberstdorf.

Auch Bayerns Flüssen ist der starke, anhaltende Regen anzumerken: Die Pegelstände sind stark angestiegen. Am Inn ist es in der Nacht zu ersten Überschwemmungen gekommen, teilte das Bayerische Landesamt für Umwelt mit. In der Dreiflüssestadt Passau wird bereits das Überschreiten der Hochwasser-Meldestufe 1 erwartet, die Zuflüsse von Donau und Inn führen große Wassermengen. "Meldestufe 1 ist erst mal noch Vorgeplänkel", sagte Karlheinz Daamen vom Hochwassernachrichtendienst des Landesamtes. "Es bedeutet erst einmal: Vorsicht, es kommt was." In der vergangenen Nacht habe es bereits "sehr, sehr viel" geregnet, nun solle laut Wettervorhersage nochmals dieselbe Menge Regen hinzukommen. "Momentan ist es nicht dramatisch. Das heißt aber nicht, dass es nicht noch dramatisch werden kann." Ein Steigen der Pegel sei im Laufe der Nacht zu erwarten, falls die Niederschläge nochmals zunehmen.

Hochwasser und Überschwemmungen erwartet

Der Dauerregen in Südbayern hat neben Donau und Inn auch andere Flüsse über die Ufer treten lassen. Besonders betroffen ist der Kreis Traunstein in Oberbayern, wie der bayerische Hochwassernachrichtendienst am Dienstag mitteilte. Für die Landkreise Altötting, Berchtesgadener Land und Cham gibt es offizielle Vorwarnungen. Hier wurden nach Angaben der Polizei mehrere Straßen gesperrt.

Bereits von Montagmorgen bis Dienstagmorgen fielen laut Meteomedia allein auf der Winklmoos-Alm bei Reit im Winkl (Landkreis Traunstein) 74,5 Liter Regen pro Quadratmeter. In Sonthofen sah es nicht viel besser aus: Dort wurden im gleichen Zeitraum fast 72 Liter Niederschlag pro Quadratmeter gemessen, am Spitzingsee waren es rund 70 Liter. Die heftigen Regenfälle sollen vor allem im Süden Bayerns noch bis diesen Mittwoch anhalten. In einigen Teilen Bayerns erwarten die Meteorologen Niederschlagssummen bis zu 100 Liter pro Quadratmeter in 24 Stunden und warnen vor Hochwasser und Überflutungen.

Eine Chance auf einen warmen, sonnigen Sommer gibt es aber noch: Der Siebenschläfertag ist der 27. Juni und damit in diesem Jahr der kommende Samstag. Die Bauernregel, wonach das Wetter an diesem Tag das des ganzen Sommers vorgibt, wird von der langjährigen Wetterbeobachtung bestätigt. In Mitteleuropa stellt sich in 60 Prozent der Jahre, im Voralpenland sogar in 70 Prozent der Jahre, eine stabile Wetterlage ein, die tatsächlich den ganzen Sommer über anhält - entweder regnerisch und kühl oder sonnig und warm.

Wetterbesserung zum Wochenende

Bis zum Freitag sollen die Thermometer in Deutschland von 21 Grad in den westlichen Mittelgebirgen bis 31 Grad im östlichen Brandenburg steigen. Bei hoher Luftfeuchtigkeit und verbreiteten Gewittern vor allem am Nachmittag sollen die Tageshöchsttemperaturen am Wochenende in ganz Deutschland 25 bis 30 Grad erreichen. Bei wechselnder Bewölkung ist zum Wochenende hin vor allem vormittags mit längeren sonnigen Abschnitten zu rechnen. Nachmittags steigt jedoch das Gewitter- und Schauerrisiko wieder stark an. Auch zu Wochenbeginn soll es warm sein - Gewitter, Starkregen, Sturmböen und Hagel - alles ist dennoch weiterhin möglich.

Dauerregen über Deutschland

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