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Hochschulen in Bayern:Uni-Bibliotheken fehlen Millionen

Medizinstudenten beim Lernen in der Uni-Bibliothek der LMU in München.

Medizinstudenten beim gemeinsamen Lernen in der Uni-Bibliothek der LMU in München. Die bayerischen Staatsregierung hat den Etat für Bücher erhöht - nach zehn Jahren.

(Foto: Robert Haas)
  • Den bayerischen Uni-Bibliotheken fehlt Geld: für Bücher, Zeitschriften und Datenbanken.
  • Erstmals seit zehn Jahren erhöht die Staatsregierung den Etat um zehn Prozent. Weit kommen die Universitäten damit nicht.

Von Anna Günther

Den bayerischen Universitätsbibliotheken fehlen Millionen für Bücher, Zeitschriften und Datenbanken. Seit Jahren ist die Finanzplanung für die Bibliotheksleiter ein Balanceakt, mittlerweile haben die Budgetlücken Auswirkung auf die Forschung. Allein die Preise für Fachzeitschriften haben sich in den vergangenen Jahren vervielfacht. Und ist der Euro an der Börse schwach, werden die meist amerikanischen Medien und Datenbanken um Zehntausende Euro teurer. Gut zehn Jahre lang hatte die Staatsregierung den Etat für Bücher nicht erhöht, erst jetzt für den Doppelhaushalt 2015/16 kündigte das Kultusministerium einen Anstieg des Hochschuletats um zehn Prozent an. Weit kommen die Universitäten damit nicht.

Die Etaterhöhung nennt Karl Südekum, der Chef der Würzburger Universitätsbibliothek (UB), trotzdem als "Wunder". Mehr als zehn Jahre war er Sprecher der bayerischen Uni-Bibliotheksleiter. Das Finanzproblem beschäftigt die Universitätsbibliotheken seit Jahren. "Doch wir bräuchten allein in Würzburg 500 000 Euro im Jahr, bloß um die Preissteigerungen der Zeitschriften zu kompensieren", sagt er. Am Anfang eines Jahres wisse er nie, wie er über die Runden kommen solle.

Schon jetzt müssen Forscher improvisieren

Die fehlenden Millionen wirken sich negativ auf die Forschung aus, besonders Fachzeitschriften und Datenbanken werden immer teurer. Die Bibliothekare müssen den Bestand weiter reduzieren. Gleichzeitig gibt es ständig neue Spezial-Zeitschriften, auf die Dozenten und Studenten Zugriff wünschen, um auf dem aktuellen Stand der Forschung zu sein. Gerade in Chemie, Medizin, Physik und Biologie könne er kaum noch reduzieren, sagt Südekum. Schon jetzt müssen Forscher improvisieren. Wer einen bestimmten Text sofort braucht, bezahlt privat und reicht die Rechnung bei der UB ein. Neben steigenden Preisen ist der Steuersatz ein Problem. Gedruckte Medien werden mit dem ermäßigten Satz von sieben Prozent besteuert, elektronische mit 19 Prozent.

Nach dem bayerischen Literaturverteilungsmodell hätten die Hochschulbibliotheken 2014 für den Ideal-Betrieb 68 Millionen Euro benötigt. Das Kultusministerium konnte 20 Millionen Euro bereitstellen. Diese wurden über einen bestimmten Schlüssel auf die neun staatlichen Universitäten verteilt. Dabei spielt die Zahl der Lehrstühle eines Fachbereichs ebenso eine Rolle wie die durchschnittlichen Literaturpreise und die Studentenzahl.

Eine Lösung ist nicht in Sicht

4,1 Millionen Euro gab die Würzburger Universitätsbibliothek 2014 für Neuerwerbungen aus, fast 60 Prozent flossen in Fachzeitschriften. 7300 elektronische Zeitschriften sind derzeit im Bestand und 3,4 Millionen Bücher. Doch um dauerhaft die Qualität zu halten, fehlt der UB fast eine Million Euro. Dass die Situation in anderen Bundesländern schlimmer ist, tröstet Südekum kaum.

Vom Freistaat bekam die Würzburger UB 2,1 Millionen Euro, dazu kamen 225 000 Euro Sondermittel für elektronische Medien und Gehälter der studentischen Hilfskräfte, die längere Öffnungszeiten ermöglichen. Ein Teil der Studienzuschüsse floss in den Lehrbuch-Bestand. In diesem Jahr und 2016 bekommen die Würzburger noch 400 000 Euro Büchergeld von der Carl Friedrich von Siemens Stiftung. An das Danach will Südekum nicht denken. Und eine Lösung ist nicht in Sicht.

© SZ vom 08.01.2015/lime/ebri

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