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Universität:"Bayerns Unis sind chronisch unterfinanziert."

Dort sind Lehrbeauftragte "nebenberuflich tätig", sie sollen ihren Lebensunterhalt anderweitig bestreiten, etwa als Orchestermusiker oder Gesangslehrer, und dazu bis zu zwölf Stunden pro Woche ihre Praxiserfahrung mit Studenten teilen. Für die Unis bedeutet das günstiges Lehrpersonal, die Lehrbeauftragten können ihren Lebenslauf aufpolieren. Viele hoffen auf eine feste Stelle, nur deshalb ertragen sie die Arbeitsbedingungen jahrelang.

Etwas zu gut hat sich dieses System mittlerweile etabliert. Die Lehrbeauftragten leisten weit mehr als einen Vorgeschmack auf die Praxis: Im Schnitt stellen sie an Bayerns Unis mehr als zehn Prozent des Personals. An der FAU stemmen 75 Lehrbeauftragte 80 Prozent der künstlerischen Lehre im Bereich der Musikpädagogik. "Es ist mir peinlich, meine Lehrbeauftragten für so wenig Geld zu beschäftigen", sagt Wolfgang Pfeiffer, Professor für Musikpädagogik an der FAU, "aber mehr kann ich einfach nicht anbieten."

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Das Kultusministerium hat im neuen Doppelhaushalt 2017/18 100 000 Euro zusätzlich für die musikpädagogische Ausbildung vorgesehen - Universitäten können darauf zugreifen, wenn sie den gleichen Betrag aus der eigenen Tasche dazugeben. Laut Pfeiffer reiche das bei Weitem nicht aus, um das Defizit auszugleichen, das ihm durch die wachsenden Studentenzahlen entsteht. "In den letzten 15 Jahren haben sich unsere Studierendenzahlen verdreifacht. Mehr Geld haben wir deshalb nicht bekommen."

Im Kultusministerium reicht man das Problem an die Unis weiter. Durch deren Autonomie liege der Lohn der Lehrbeauftragten in ihrer Verantwortung. Isabell Zacharias, hochschulpolitische Sprecherin der SPD im Landtag, kann da nur den Kopf schütteln: "Bayerns Unis sind chronisch unterfinanziert." Ja, die Hochschulen können mit ihrer Grundfinanzierung eigenverantwortlich haushalten, "aber was das Ministerium an Geldern bereitstellt, reicht doch hinten und vorne nicht".

Friedrich Paulsen, Vizepräsident der FAU, bestätigt diese Einschätzung. "Natürlich würden wir Lehrbeauftragten gerne mehr bezahlen", sagt er. "Aber das Geld haben wir schlichtweg nicht." Und: "Allein mit Festangestellten könnten wir den Lehrbetrieb nicht aufrechterhalten." Würde man einzelnen Lehrenden mehr Geld geben, müsste man dafür andere Lehraufträge streichen, sagt Paulsen. "Das Geld wird ja nicht mehr, wir könnten es nur umverteilen." Außerdem gelte es, die Qualität der Lehre zu sichern. Da seien Personalkürzungen der völlig falsche Weg. "Wir sind uns des Problems der Lehrbeauftragten absolut bewusst und würden gerne etwas ändern", sagt Paulsen. "Ohne zusätzliches Geld sind uns aber die Hände gebunden."

Auch deshalb muss Wolfgang Pfeiffer immer wieder neues Personal suchen. Er versuche stets, für Lehrbeauftragte "die bestmögliche Atmosphäre" zu schaffen - immerhin wolle er den Studenten "die bestmögliche Lehre anbieten". Alle Mitarbeiter könne er damit aber nicht halten. "Viele kündigen, weil es sich für sie schlichtweg nicht lohnt. Das tut mir jedes Mal leid."

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