Historische Wiesn Nostalgie ja, aber ...

Die Resonanz auf die historische Wiesn ist überwältigend. Dennoch hält Oberbürgermeister Ude eine Neuauflage nur eingeschränkt für möglich.

Von Peter Fahrenholz

Die Begeisterung über die historische Wiesn ist einhellig in München, und der Wunsch, sie möge ab jetzt jedes Jahr stattfinden ist unüberhörbar in der Bevölkerung. Auch Oberbürgermeister Christian Ude teilt diese Begeisterung. "Den Erfolg habe ich nicht erwartet", sagte er.

Der Oberbürgermeister zu Besuch am Wiesn-Desk der Süddeutschen Zeitung: "Für das historische Zelt sehe ich große Chancen", sagte er.

(Foto: Robert Haas)

Allen Erwartungen jedoch, jetzt jedes Jahr eine kleine Nostalgie-Wiesn am Rande des großen Rummels zu veranstalten, verpasste der Oberbürgermeister einen gewaltigen Dämpfer. "Da führt kein Weg hin", sagte er beim Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung auf dem Oktoberfest. Denn die historische Wiesn konnte nur dank gewaltiger Spenden von Wirten und Schaustellern zustande kommen.

Am Zentralen Landwirtschaftsfest lässt Ude nicht rütteln

Allein die Wirte der großen Zelte haben eine Million Euro gezahlt, die kleinen Wiesnwirte und die Schausteller noch einmal insgesamt 245.000 Euro. Dieses Geld werde die Stadt keinesfalls aus der eigenen Kasse zuschießen, stellte Ude klar. "Es ist das Wesen des Besonderen, dass es etwas Besonderes ist", sagte er. Man feiere ja schließlich "auch nicht jeden Tag Geburtstag".

Gestorben ist die historische Wiesn damit jedoch nicht, sie wird bei einer Neuauflage aber weit bescheidener ausfallen. Nostalgie ja, aber nur ein bisschen, lautet die Devise. "Für das historische Zelt sehe ich große Chancen", sagte Ude. Auch ein Kulturzelt kann sich der OB vorstellen, allerdings nicht mehr mit einem Nonstop-Programm, sondern lediglich mit zwei Veranstaltungen pro Tag, eine am Mittag und eine am Abend. Das historische Pferderennen wird es dagegen in keinem Fall mehr geben - zu teuer.

Außerdem will Ude am Zentralen Landwirtschaftsfest, das alle vier Jahre stattfindet, nicht rütteln lassen. Dafür werden jedoch auch jene Flächen gebraucht, die heuer von der historischen Wiesn belegt werden. In welchem Umfang die Nostalgie-Wiesn nächstes Jahr fortlebt, muss in den kommenden Monaten diskutiert werden. "Das wird die Stadt nicht alleine entscheiden", sagte Ude.

Einmal Acapulco und zurück

Dass dabei nichts herauskommt, ist kaum vorstellbar, denn die Botschaft der historischen Wiesn ist überall angekommen. "Es gibt den Wunsch nach einem ruhigeren Zelt", sagte Ude. Zwar seien die Veränderungen der Wiesn hin zum Disco-Fest samt Schickimicki-Auftrieb durchaus im Sinne der Mehrheit der Besucher gewesen - aber eben bei weitem nicht aller Bevölkerungsgruppen.

"Der einfache Münchner zahlt Eintritt, dass er die Schickeria mal nicht sehen muss", lästerte Ude, der eingezäunte Bereich der historische Wiesn sei ja "fast der einzige Schutz vor den Schickimickis". In Udes Augen hat der Erfolg der historischen Wiesn zur einer stärkeren Identifizerung der Münchner Bürger mit "ihrem" Oktoberfest geführt. Eine "gewisse Nachdenklichkeit", was manchen Wiesn-Exzess der vergangenen Jahre angehe, gebe es jetzt schon, glaubt der OB.

Auch Ude selber ist in diesem Jahr in der Wiesn-Atmosphäre schwach geworden. Allerdings war dazu der geballte Charme der Olympia-Botschafterin Katarina Witt nötig. Die hat dem OB bei einem Wiesn-Besuch abgeschwatzt, Ende Oktober zur letzten Zusammenkunft des IOC vor der Entscheidung über die Olympiabewerbung nach Acapulco zu fliegen und dafür andere wichtige Termine abzusagen.

"Irgendwann ist mir die Zusage rausgerutscht", beschrieb Ude die Seelenmassage durch die ehemalige Eiskunstläuferin. "Es ist Frau Witt gelungen, mir einzureden, davon hinge die Bewerbung Münchens ab." Jetzt muss er 18 Stunden hin und 18 Stunden wieder zurückfliegen, um in Mexiko die Visitenkarte Münchens abzugeben.