Historische Züge:So eine Dampflok macht Arbeit

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Historische Züge: Bevor die Lok eine Ausfahrt machen kann, müssen viele Details geklärt werden - zum Beispiel, wo man das spezielle Schweröl tanken kann.

Bevor die Lok eine Ausfahrt machen kann, müssen viele Details geklärt werden - zum Beispiel, wo man das spezielle Schweröl tanken kann.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Die Lok Nummer 41 018 wurde 1939 gebaut - dass sie heute immer noch durch Bayern fährt, liegt am Engagement eines Vereins. Mit zehn Mitgliedern.

Von Marco Völklein

Auf der Bundesstraße 2 kurz hinter Oberau wird deutlich, dass ein Dampfzug die Herzen erobern kann - und zwar auch die derjenigen, die gar nicht drinsitzen in den historischen Reisewagen mit ihren federnden, roten Sitzen.

Die Bahnstrecke nach Garmisch-Partenkirchen verläuft dort direkt neben der Bundesstraße. Und so mancher, der an diesem Samstagvormittag mit dem Auto unterwegs ist in Richtung Berge, wundert sich, was da auf einmal auf den Schienen direkt neben ihm angeschnauft kommt.

Ein Trupp polnischer Bauarbeiter, unterwegs in einem grünen Lieferwagen, ist so begeistert von der Dampflok, dass die Männer aufgekratzt winken und mit ihren Smartphones immer wieder Fotos schießen. Irgendwann schaltet der Fahrer kurz das gelbe Warnlicht auf dem Dach des Lieferwagens ein und lacht rüber zum Zug.

Es ist die erste größere Ausfahrt, die die Lokomotive mit der Nummer 41 018 Anfang März in ihrem Jubiläumsjahr unternimmt. Die im Jahr 1939 bei Henschel in Kassel gebaute Dampflok ging 1976, also vor genau 40 Jahren in den Besitz der Dampflok-Gesellschaft München über, einem Verein mit aktuell zehn Mitgliedern. Den Dampfeisenbahn-Enthusiasten gehört das betagte Dampfross, ein kleiner Kreis an Unterstützern hilft beim Unterhalt der alten Lokomotive.

Fast jeden Samstag wird an der Lok geschraubt

Eine Menge Geld und noch mehr Zeit seien notwendig, um so ein rollendes Technikdenkmal zu erhalten, erzählt Carl Asmus, der Vorsitzende des Vereins. Regelmäßig sind Wartungsarbeiten an der ehemaligen Güterzuglokomotive zu verrichten, kleinere wie größere. Fast jeden Samstag sind die Vereinsmitglieder und deren Mitstreiter im Bahnpark in Augsburg, einem ehemaligen Betriebswerk der Bundesbahn, und schrauben an der Lok.

Dort steht dem Verein die dafür nötige Infrastruktur zur Verfügung: eine große Lokhalle, um die Maschine unterzustellen. Kräne, um schwere Bauteile zu heben. Und eine Grube, um von unten an der Lok zu arbeiten. Mitunter, erzählt Asmus, müssen Ersatzteile speziell für die alte Maschine aufwendig angefertigt werden. Zu kaufen gibt es sie ja längst nicht mehr. 20 000 bis 30 000 Euro benötigt der Verein im Jahr im Schnitt zum Unterhalt der alten Maschine. In Jahren, in denen größere Instandsetzungen anstehen, schnellt der Betrag auch mal locker in den sechsstelligen Bereich hoch.

Das Geld reinholen muss die Lokomotive quasi durch Fahrten wie die an diesem Märzsamstag ins Oberland. Um kurz nach acht Uhr geht es los in der Halle des Münchner Hauptbahnhofs; anschließend führt die Tour über Weilheim und Garmisch-Partenkirchen nach Mittenwald und Innsbruck. Von dort geht es über Rosenheim zurück nach München. Unterwegs legt die Lok unter anderem einen Stopp in Huglfing bei Weilheim ein.

Das Highlight: Eine "Scheineinfahrt"

Der Fahrdienstleiter der Deutschen Bahn hat den Dampflok-Fans in dem kleinen, zweigleisigen Bahnhof auf der an sich eingleisigen Strecke eine "Scheinanfahrt" gestattet. Dazu fährt der Sonderzug zunächst in Huglfing ein; die Fahrgäste steigen aus. Dann setzt Lokführer Norbert Hoffmann mit der 41 018 ein ganzes Stück zurück - und steuert dann erneut, eben zum Schein, den Bahnhof an. Die mehreren Hundert Mitfahrer haben derweil ihre Fotokameras und Handys positioniert, um ein Foto nach dem anderen zu machen, als Hoffmann die Lok wieder in den Bahnhof eindampfen lässt.

Organisiert werden diese Fahrten allerdings nicht auch noch von den Dampflokfreunden um Asmus. "Früher haben wir das mal gemacht", erzählt der Vorsitzende. Dann allerdings wurde das zu aufwendig. Unter anderem müssen die Organisatoren ein Buchungstelefon besetzen und für Rückfragen zur Verfügung stehen - "das schaffen wir nicht auch noch", sagt Asmus.

Es sei ohnehin schon schwer genug, junge Leute für das Hobby Dampfeisenbahn zu begeistern. "Es frisst Zeit, man wird dreckig - und teuer ist es auch", sagt er. Bislang allerdings sei es vor allem dem Enthusiasmus der Vereinsmitglieder zu verdanken, das die 41 018 so gut dasteht.

Feuerwehren müssen die Wassertanks auffüllen

Und so teilen sich die Vereine die Arbeit. Während Asmus und seine Leute die Lok in Schuss und fahrbereit halten, organisieren Menschen wie Tobias Mühlbauer vom Verein Eisenbahn-Nostalgiefahrten aus dem nordhessischen Bebra die Fahrten. In diesem Jahr haben die Nordhessen gleich mehrere Touren mit der 41 018 geplant - unter anderem wird das Dampfross im Herbst zu einer Mehrtagesfahrt nach Tschechien aufbrechen.

Lokführer Hoffmann wird dann auch wieder dabei sein. Zuvor allerdings muss sich der Verein noch um zahlreiche Details kümmern: Denn anders als früher stehen den Dampfloks heutzutage fast kaum mehr Wasserkräne zur Verfügung. Um den Tender mit Wasser aufzufüllen, müssen die Dampflok-Fans vor einer Fahrt jeweils die örtlichen Feuerwehren anfordern, damit die an den Bahnhöfen unterwegs die Wassertanks wieder auffüllen.

Bei der Rundfahrt Anfang März wird die 41 018 unter anderem im Bahnhof von Garmisch-Partenkirchen von der örtlichen Feuerwehr betankt. Und eine weitere Besonderheit ist vor der Fahrt zu klären: Die 41 018 wurde in den Sechzigerjahren von der damaligen Bundesbahn von Kohle- auf Ölfeuerung umgestellt. Das dafür benötigte Schweröl ist mittlerweile gar nicht so einfach zu bekommen. "Wo wir in Tschechien nachtanken können", sagt Lokführer Hoffmann, "wissen wir noch nicht."

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