Historie Sisis Vater war ein aristokratischer Sonderling

Ein Porträt des beim Volk beliebten Herzogs Max in Bayern (um 1842).

(Foto: Volk Verlag)

In Schmalzfilmen wird Herzog Max in Bayern gerne als gemütlicher Familienmensch dargestellt. Doch eine neue Biografie zeichnet ein anderes Bild von Sisis Vater.

Von Hans Kratzer

Kaiserin Elisabeth von Österreich, genannt Sisi, war spinnert, aber ihr Vater nicht minder. Aber von irgendwo musste sie ihre Extravaganz ja herhaben. Freilich, Herzog Max in Bayern (1808-1888) lebte seine Neigungen als Privatmann aus. Politisch hat er nichts gerissen, für die Staatsgeschäfte war er als Mitglied der nicht regierenden herzoglichen Linie der Wittelsbacher zu unbedeutend. Das störte ihn aber auch nicht. Unkonventionell wie er war, würde er auch im Facebook-Zeitalter noch Aufsehen erregen und die Klatschspalten der Zeitungen zur Genüge füllen.

Als Alleinerbe seines reichen Großvaters besaß Max so viel Geld, dass er frei von Zwängen privatisieren konnte. Er residierte in einem prunkvoll ausgestatteten Palais an der Münchner Ludwigstraße, überdies gehörten ihm mehrere Schlösser. Seine Tochter Sisi muss als Mädchen ein ausgeprägter Wildfang gewesen sein, diesen Freiheitsdrang hatte sie von ihm geerbt. Herzog Max lehnte gesellschaftliche Konventionen und Standesunterschiede ab und verkehrte oft mit dem einfachen Volk, etwa wenn er in einer Dorfwirtschaft die Zither hervorkramte und aufspielte. Aber nicht nur deshalb rückt der Herzog Max immer öfter in den Fokus der Medien.

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Bekannt ist diese eigenwillige Figur schon seit den "Sissi-Filmen" von Ernst Marischka aus den 50er-Jahren. Gustav Knuth mimte darin den "Pappili" der von Romy Schneider gespielten Elisabeth. Knuth gibt nach allen Regeln des Schmalzfilms den warmherzigen Ehemann der Herzogin Ludovika, der nur für seine Kinder lebt und mit ihnen ein unbeschwertes Landleben in Possenhofen am Starnberger See führt. Knuth prägte zwar das Bild des Herzogs, aber es war grundfalsch. Der Filmemacher Bernhard Graf rückte das Klischee vor einiger Zeit im Bayerischen Fernsehen zurecht und zeigte eine weitaus realistischere Existenz des Herzogs.

Mittlerweile hat auch der Münchner Autor Alfons Schweiggert eine Biografie über Max in Bayern vorgelegt, in der er das überkommene Bild ebenfalls stark korrigiert. "Der echte Herzog Max hatte weder äußerlich etwas mit Knuths Braumeisterfigur noch charakterlich mit dessen überfreundlichem Wesen gemein", sagt Schweiggert. Was war er dann? "Von seiner Erscheinung her war er aristokratisch elegant", antwortet Schweiggert, "und von seinem Wesen her war er ein doch recht problematischer Ehemann und eigenwilliger Vater."

Die Ehe hatte ja auch sehr unglücklich begonnen. 1825 wurde das Paar quasi zwangsverheiratet, Liebe war nicht im Spiel. Der Hochzeitstag wurde für beide zum Trauertag, den Ludovika mit einem Fluch besiegelte: "Dieser Ehe und allem, was daraus hervorgeht, soll der Segen Gottes fehlen bis ans Ende!" Schweiggert sagt dazu: "Dieser furchtbare Wunsch schien auf entsetzliche Weise tatsächlich in Erfüllung zu gehen." Weder dem unglücklichen Ehepaar noch seinen zehn Kindern sollte Glück beschieden sein, an Verdruss, Tragödien und gewaltsamen Todesfällen herrschte dagegen kein Mangel.

Schon die Hochzeitsnacht geriet zur Farce. Als sich Max seiner Braut näherte, stieß ihn Ludovika zurück, woraufhin er in einen zufällig geöffneten Schrank stürzte. Wie kolportiert wurde, habe Ludovika schnell die Tür zugesperrt und ihren Bräutigam im Kasten schmoren lassen.