Seiner Majestät, dem Kini, würde die Sache wohl gefallen. Ludwig II. hat ja damals auch seinen Luxusschlitten mit Batterie und Glühbirnen ausstatten und sich in jenem mutmaßlich allerersten elektrisch beleuchteten Fahrzeug überhaupt durch die Winternacht ziehen lassen. Oder die einst ebenfalls hochmoderne, von einem der ersten Kraftwerke weltweit gespeiste Beleuchtung samt Wellengenerator in der Venusgrotte von Schloss Linderhof! Die über zwei Etagen rauf- und runterkurbelbaren Esstische in Linderhof und Herrenchiemsee oder die Wasserspülung am Königsklo in Neuschwanstein waren da fast schon wieder fad.
Und selbst wenn aus seinem über den Alpsee schwebenden Pfauenwagen leider nichts geworden ist: Ludwig II. war ganz klar das, was die auch nicht mehr nur mit Dampf plaudernden Marketing-Menschen von heute einen „Early Adopter“ nennen – einer, der den neuesten Krempel immer vor allen anderen hat. Also warum denn bitte keine Modellstrecke für autonomes Fahren auf Herrenchiemsee?

Bayerische Geschichte:Ludwig II. - der queere Märchenkönig
Bis heute spielt die Homosexualität des bayerischen Herrschers in der Geschichtsschreibung nur eine Nebenrolle. Dabei ist sie der Schlüssel zum Verständnis, warum sein Leben einen tragischen Verlauf nahm und er schließlich sogar zum Täter wurde.
Den Vorschlag hat Klaus Stöttner gerade gemacht. Als Präsident des Tourismusverbands Oberbayern-München sowie als ehemaliger CSU-Landtagsabgeordneter muss Stöttner ebenfalls als Marketing-Mensch gelten. Und als solcher will Oberbayerns Obertouristiker der Herreninsel im Chiemsee neben dem Alten und dem Neuen Schloss und neben Bäumen, Wiesen, Gärten, Uferwegen, Schilffeldern und dem Welterbe-Titel jetzt halt eine zusätzliche Attraktion verschaffen.
Wenigstens jetzt im Winter, wenn die Kutschpferde auf ihrer Koppel wellnessen, statt jeden Tag Hunderte Ausflügler vom Schiffsanleger zum Schloss und wieder retour zu karren. In dieser Ausspannphase von Dezember bis Februar könnte doch ein fahrerloses Gefährt den besagten Pendelverkehr übernehmen. Ein Angebot liege ihm bereits vor, sagte Stöttner neulich seiner angestammten Lokalzeitung, dem Oberbayerischen Volksblatt.

Und der Kini hatte es ja nicht nur mit Hightech aller Art. Auch das mit der Autonomie war ihm ein Anliegen, vor allem in Form des autonomen Regierens. Schließlich sollte ihm Herrenchiemsee ja eine Art sonnenkönigliche Absolutismus-Kulisse sein. Derart autonom regieren hätte er aber schon lieber selbst wollen, statt das diesem aus seiner Sicht ausnahmsweise viel zu neumodischen Regierungsapparat in München zu überlassen.
So ganz gemäß wäre dem Kini das autonome Fahren auf seiner Insel aber irgendwie auch nicht. Wo doch in einem niederbayerischen Kurkaff namens Bad Birnbach schon seit 2017 solch ein Fahrzeug unterwegs war, und das auch noch unter maßgeblicher Beteiligung der Deutschen Bahn. Von wegen Early Adopter! Die Birnbacher mussten aus dem autonomen Fahren Ende 2024 sogar schon wieder aussteigen, weil sich der Hersteller der Kleinbusse umorientiert hat. Wirklich vorneweg fahren würde man auf der Herreninsel also höchstens mit der kutscherlosen Kutsche und autonomen Pferden.

