Heiraten damals und heuteDie merkwürdigsten bayerischen Hochzeitsbräuche

Warum die Braut die Suppe salzt und Wirtshäuser Hausverbote verhängen - ein unvollständiger Überblick.

Von Johann Osel und Hans Kratzer

Wohin zur Hochzeitsfeier? Der Frankenwäldler vermählt sich gern am Chiemsee, die Chiemgauer Paare zieht es in den Frankenwald (vielleicht nach Wirsberg, das sich "Deutschlands erstes Hochzeitsdorf" nennt und einen Rundum-Service bietet). Ganz so schlimm ist es nicht mit den binnenbayerischen Wanderungen, doch der Trend zu exklusiven Orten, zum Heiraten nicht vor der Haustür, ist unübersehbar. Früher schien sich diese Frage gar nicht zu stellen und das Dorf- oder Stadtwirtshaus fest eingeplant zu sein.

Wenn Ludwig Thoma in den "Lausbubengeschichten" die Hochzeit von der Marie mit dem Professor Bindinger beschreibt, spielt die Szene selbstverständlich im örtlichen Gasthaus zum Lamm. Zuerst gab es da "eine gute Suppe" - die Hochzeitssuppe, der Klassiker in ländlichen Gegenden, eine kräftige Brühe mit Einlagen wie Fleisch, Knödel oder Nockerl, Gemüse, Eierstich. Darben musste der Lausbub bei Thoma nicht, es gab auch noch "einen großen Fisch", zudem "ein Brathuhn und Kuchen und Gefrorenes". Wein floss in Strömen, verschwenderisch fand das nur die Tante Gusti.

Apropos Hochzeitssuppe - damit verbundene Bräuche wie das Suppensalzen, wo die Braut mit den Müttern der Eheleute in der Küche kostet und nachwürzt, werden seltener, ebenso der "Hungertanz" nach dem Salzen, mit dem das Brautpaar zum Mittagsessen aufruft. Ohnehin ist heute offenbar alles erlaubt, was gefällt - beziehungsweise schmeckt. Bis hin zu dem, was ein Münchner Hochzeitscaterer für Veganer kredenzt. Devise heute wohl eher: Hauptsache aufwendig, Tante Gusti würde die Stirn runzeln. Ein Trost für die Dame, besuchte sie denn 2016 eine Hochzeit: Das Mahlgeld, bei nicht-bayerischen Gästen oft nur Unverständnis hervorrufend, kommt ebenfalls langsam aus der Mode.

Bild: oh 12. Oktober 2016, 13:082016-10-12 13:08:36 © SZ vom 08.10.16/bhi