Bayern: Hausmeister unter Tatverdacht Ein "Sie" als fragwürdiges Indiz

Am 23. Oktober 2008, früh um halb fünf, rief Frau K. bei Manfred G. an: Sie habe starken Durchfall, er solle den Hausarzt anrufen und gleich zu ihr kommen. Das tat er, der Arzt kam, ein Krankenwagen wurde gerufen. Um halb sieben kam, wie jeden Tag, die Mitarbeiterin eines Pflegedienstes und zog Frau K. eine frische Hose an, weil die, die sie trug, vom Durchfall verschmutzt war. Dann wurde Frau K. ins Krankenhaus gebracht.

Fünf Tage später holte Manfred G. die alte Dame wieder ab und brachte sie nach Hause. Er kochte Kaffee, leistete ihr noch kurz Gesellschaft und verabschiedete sich dann, weil er seine kranke Mutter besuchen wollte. Es war 15 Uhr. Aus dem Auto rief er den Pflegedienst an, dass Frau K. wieder zu Hause sei.

Als die Pflegerin um 18.30 Uhr in die Wohnung kam, fand sie Lieselotte G. tot in der Badewanne liegend. Bei der Obduktion wurde festgestellt, dass sie ertrunken war, am Hinterkopf fand der Gerichtsmediziner unter der unverletzten Kopfhaut zwei Einblutungen. Das erweckte beim Staatsanwalt den Verdacht, Frau K. könne eines gewaltsamen Todes gestorben sein, und alsbald wurde Manfred G. beschuldigt, er habe während Frau K.s Krankenhausaufenthalt Geld unterschlagen und sie getötet, um diese Tat zu vertuschen.

Dieser Verdacht wurde eindeutig widerlegt. Flugs zauberte der Staatsanwalt - es war auch damals schon Gliwitzky - ein neues Motiv aus dem Hut: Manfred G. habe sich geärgert, weil Frau G. ihn so herumkommandiert habe, deshalb habe er ihr in seinem Zorn irgendetwas auf den Kopf geschlagen und sie dann in der Badewanne ertränkt.

Weder im ersten noch im zweiten Prozess ergab sich irgendein Hinweis, der diese Behauptung stützen könnte - wenn man nicht, wie der Staatsanwalt, den Umstand, dass Manfred G. "Sie" zu Frau K. sagte, als Indiz für einen Streit mit tödlichem Ausgang werten will.

Als Manfred G. sich um 15 Uhr von Frau K. verabschiedete, war noch heller Tag. Als die Pflegerin kam, brannte in der ganzen Wohnung Licht. Als Manfred G. ging, war das Bett der Frau K. zugedeckt. Am Abend war es aufgedeckt, und im Bett lag eine offensichtlich gelesene Zeitung. Es war, wie die Polizei erst jetzt mit erheblichem Aufwand ermittelte, die Tageszeitung vom 23. Oktober, die Manfred G. mit in die Wohnung nahm, nachdem er Frau K. in den Krankenwagen begleitet hatte.