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Gesundheitspolitik:Hausärzte reagieren empört auf Kritik an Sprechzeiten

Ärzterekord in Thüringen

Erhöhter Blutdruck oder nicht: ein Hausarzt bei der Arbeit.

(Foto: dpa)

Die seien "wenig patientenfreundlich", monieren die Krankenkassen - und einer der Gründe für die überlasteten Notaufnahmen der Kliniken.

Ärger über Äußerungen und Reformvorhaben aus Berlin gehören für Bayerns Ärzte aktuell zum Alltag. Zuletzt aufgrund des vom Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) geplanten Umbaus der Notfallversorgung. Doch kaum haben die Mediziner dazu Stellung bezogen, steht bereits die nächste Auseinandersetzung ins Haus - dieses Mal mit dem Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland.

Dessen stellvertretender Vorstandsvorsitzender, Johann-Magnus Freiherr von Stackelberg, hält den niedergelassenen Ärzten vor, ihre Sprechstundenzeiten wenig patientenfreundlich zu gestalten. Am Abend seien die Praxen eher selten geöffnet, mittwochs und freitags habe ein Großteil von ihnen schon am Nachmittag geschlossen, samstags seien faktisch so gut wie alle zu. "Kein Wunder, dass immer mehr Menschen in die Notaufnahmen der Krankenhäuser gehen", sagte er.

Wolfgang Krombholz, der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) und selbst Hausarzt, warf Stackelberg Realitätsferne vor. Eine KV-Studie belege eindeutig, dass in Bayern ein großer Teil der Patienten auch außerhalb der Sprechzeiten durch niedergelassene Ärzte versorgt werde - und eben nicht durch Kliniken. "Viele der niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen arbeiten schon jetzt weit über ihrer Belastungsgrenze", sagte Krombholz.

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Wer fordere, dass sie "pflichtmäßig" neben ihrer Arbeit in der Praxis und im Bereitschaftsdienst noch zusätzliche Sprechstunden abends und am Wochenende anbieten, der verkenne, "dass es immer schwieriger wird, Mediziner für die Niederlassung zu gewinnen".

Empört reagierte auch Markus Beier, der neue Vorsitzende des Bayerischen Hausärzteverbandes: Tatsache sei, "dass Patienten in Bayern auch außerhalb der normalen Praxisöffnungszeiten versorgt" seien - dank der laut KVB-Angaben 108 Bereitschaftspraxen landesweit. Hinzu komme aber, so betonte Beier, "dass auch die Arztpraxen ihr Sprechstundenangebot bereits deutlich erweitert" hätten. "Gerade für Berufstätige bieten Praxen der hausarztzentrierten Versorgung weitere Sprechstunden nach Feierabend oder an Samstagen an", sagte er. Bayerns Hausärzte seien rund um die Uhr für ihre Patienten da - "im Gegensatz zu den Krankenkassen, die ihre Geschäftsstellen pünktlich schließen", betonte Beier.