Hans Rudolf Wöhrl: Mein Nürnberg:"Warum müssen die Club-Fans immer leiden?"

Wer nach Nürnberg versetzt wird, muss zweimal weinen. Warum? Das verrät Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl im Fragebogen - und gibt Insider-Tipps für den nächsten Stadtrundgang.

Tobias Dorfer

Jeder Ort hat kleine Geschichten und große Geheimnisse. Und wer könnte diese Geheimnisse besser lüften als jemand, der dort wohnt - oder der dort zumindest eine ganze Weile gelebt hat? Auf sueddeutsche.de präsentiert jede Woche ein Prominenter im sueddeutsche.de-Fragebogen "sein Bayern". Heute stellt der Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl sein Nürnberg vor.

Hans Rudolf Wöhrl

"Nürnberg ist eine Stadt, die alles bietet, aber nicht die Nachteile anderer Metropolen hat", sagt Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl.

(Foto: picture-alliance/ ZB)

Mit zwei Engagements machte der Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl besonders von sich reden. Einerseits mit dem Modehaus, das seinen Namen trägt. Mit 23 Jahren hatte der gelernte Einzelhandelskaufmann den Familienbetrieb im Jahr 1970 übernommen - inzwischen setzt die Modefirma jedes Jahr mehr als 300 Millionen Euro um. Für Aufsehen sorgte der Unternehmer auch, als er der Fluggesellschaft British Airways die marode Fluglinie Deutsche BA abkaufte, sanierte - um sie später an die Air Berln weiterzugeben. Hans Rudolf Wöhrl ist in Nürnberg geboren und lebt noch heute mit seiner Familie in Mittelfranken.

Fragebogen

Sie leben in Nürnberg. Warum hier und nicht anderswo?

Hier bin ich aufgewachsen und hier bin ich daheim. Durch meinen Beruf durfte ich sehr viel reisen. Viele Städte finde ich faszinierend, aber auf die Dauer können sie Nürnberg alle nicht das Wasser reichen! Nürnberg ist eine Stadt, die alles bietet, aber nicht die Nachteile anderer Metropolen hat.

Das Schönste an Nürnberg ist...

...wohl die Kaiserburg hoch über unserer wunderschönen Altstadt, die als einzige Großstadt der Welt noch die vollständige Stadtmauer hat. Nürnberg hat 500.000 Einwohner und mit dem näheren Umland ist es eine Millionenmetropole, aber irgendwie fällt das nicht wirklich auf. Umschlossen vom Reichswald, den Städten Erlangen, Fürth und anderen konnte die Stadt nie so sehr in die Fläche wachsen. Es gibt also keine wirklich langen Wege, aber viel Natur in unmittelbarer Nähe.

Am meisten geärgert habe ich mich in Nürnberg über...

Der Ärger, den ich habe, hat wohl wenig mit der Stadt zu tun, sondern eher etwas mit der deutschen Mentalität. Mich regt es einfach auf, dass es unendlich lange dauert, bis irgendetwas einmal umgesetzt wird. Jede auch noch so gute Idee, jede auch noch so wichtige Entscheidung wird diskutiert, dann 1000 Mal abgeändert und wieder diskutiert, bis am Ende eigentlich nichts mehr davon da ist. Und oft passiert dann auch tatsächlich nichts mehr. Es gibt ganz wichtige Straßen, wie den Frankenschnellweg, der seit mehr als 30 Jahren ein Torso ist, weil es immer jemanden gibt, dem irgendetwas nicht passt. Aber auch bei vielen anderen Themen sucht man umständlich nach der Überlösung, anstatt es einfach einmal auf eine ganz einfache Art zu versuchen. Ja, es ist eine gewisse Spießigkeit, die mir zuwider ist - aber noch einmal: Ich glaube nicht, dass das an der Stadt liegt!

Ihr schönstes Erlebnis in Nürnberg?

Das waren die letzten 50 Jahre - die ersten 13 Jahre wohnte meine Familie in Roth, 25 Kilometer südlich von Nürnberg! Ob beruflich oder privat, alles was ich in meinem Leben erleben durfte, hatte in Nürnberg seinen Ursprung!

Welches ist ihr liebster Platz in Nürnberg - und warum?

Es gibt zwei Orte, die ich wirklich mag. Das ist zum Einen der Bereich vom Kettensteg bis zur Museumsbrücke, weil man hier einfach etwas von der Tradition der Stadt spürt. Zum Anderen der Ludwigsplatz im Sommer, weil man dort eine Kombination aus geschäftlichen Treiben und wunderbarem gemütlichen Großstadtflair erleben kann.

Wo sollte jeder Besucher mal ein Bier trinken, wo schmeckt das Essen besonders gut?

Nachdem ich leidenschaftlich gerne gut essen gehe, könnte ich hier eine lange Liste von Restaurants und Bars aufführen und würde trotzdem den einen oder anderen meiner Stammwirte vergessen und dadurch verärgern. Eine Maß Bier auf dem Altstadtfest sollte sich aber jeder Besucher einmal gönnen.

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