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Hanns-Seidel-Stiftung:"Nur eine leere Notunterkunft ist eine gute Notunterkunft"

"Nur eine leere Notunterkunft ist eine gute Notunterkunft", gibt eine Wissenschaftlerin das Fazit der Experten wieder, die sie befragt hat. Das Gedränge in Turn- und Traglufthallen, wie es zum Zeitpunkt der Befragung noch vielerorts in Bayern beobachtet werden konnte, erschwere nicht nur die Deutschkurse. Auch wenn es unter Asylsuchenden zu Gewalt kommt, führen es die befragten Experten größtenteils auf die beengte Wohnsituation zurück.

Gefährlich werde es dann, wenn sie dort auch noch nichts zu tun hätten, wie es viele der zwölf Befragten beschreiben. Diese Zielgruppe sei sehr anfällig etwa für eine religiöse Radikalisierung, sagt Ursula Männle, Vorsitzende der Hanns-Seidel-Stiftung.

Flüchtlinge in München Wer Asyl bekommt, muss sich um eine Wohnung kümmern
Wohnungsnot bei Flüchtlingen

Wer Asyl bekommt, muss sich um eine Wohnung kümmern

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Welche Einstellungen haben Asylsuchende zu Religion, Demokratie, der Gleichberechtigung von Mann und Frau? Auch diese Fragen stellten die Wissenschaftler. Die Antworten fielen auf der einen Seite sehr weltoffen aus. Tarik etwa sagt: "Für mich zählt wirklich nur die Menschlichkeit und nicht die Religion." Welchen Gott seine Mitmenschen anbeten, ist ihm ziemlich egal. Jungen und Mädchen sollten in seinen Augen die gleichen Chancen auf eine Ausbildung haben. Dass die Frauen in Deutschland viele Freiheiten genießen, die ihnen in Afghanistan verwehrt sind, befürwortet er.

Wie Tarik heißen fast alle Befragten die Trennung von Staat und Kirche gut und betonen die Toleranz gegenüber anderen Religionen. Sie sind der Meinung, dass kein Mensch im Namen Gottes töten dürfe. Fast alle finden, Jungen und Mädchen hätten den gleichen Anspruch auf eine Ausbildung. Auf der anderen Seite vertrat eine Mehrheit wie selbstverständlich Ansichten, die in Deutschland als verbale Gewalt gelten.

Mehr als die Hälfte der Muslime, zu denen die große Mehrheit der Befragten gehört, zeigte eine deutliche Tendenz zu antisemitischen Einstellungen. Mehr als 50 Prozent der Syrer, Iraker und Afghanen sagten, dass Juden zu viel Einfluss hätten. So erschreckend das sei, Sozialwissenschaftlerin Haug überrascht es nicht. Auch unter den schon länger hier lebenden Muslimen sei Antisemismus weit verbreitet.

Die Eritreer übrigens blickten die Forscher bei der Frage verwundert an. Juden kennen sie nur aus der Bibel. Von ihnen mag aber eine andere Aussage verstören. 20 Prozent sehen in der Aufforderung zu einem Selbstmordattentat keine Straftat. Warum dies so ist, weiß Haug nicht. Aus der Aussage könne man aber nicht auf eine mögliche Tat schließen, sagt sie.

Nicht mit westlichen Werten vereinbar ist auch die Einstellung, dass Frauen sich ihren Ehemann nicht selbst aussuchen dürften. Mehr als ein Fünftel der befragten Eritreer sieht das so. Wenig Verständnis zeigen Syrer und Iraker für das Demonstrationsrecht. Sie würden es von zu Hause nicht anders kennen, sagt Haug. Die meisten verstünden aber schnell, dass in Deutschland andere Regeln gelten, außerdem lernten sie die zuvor nicht gekannten Freiheiten schätzen - so wie Tarik: Bayern schätzt er mittlerweile nicht nur wegen der Sicherheit, sondern auch wegen des guten Biers.

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