Handys an bayerischen Schulen:Mobbing per Smartphone

"Das Verbot löst die Probleme nicht", sagt auch Johannes Philipp, Referent für Medienpädagogik an der Akademie für Lehrerfortbildung in Dillingen. Eines der größten ist nach wie vor Mobbing: Da wird ein Schüler, der ein Referat hält, heimlich mit der Handykamera fotografiert, das Foto so bearbeitet, dass das Gesicht zur Grimasse verzerrt ist und anonym über das Programm WhatsApp an zehn weitere Handys geschickt, von wo aus das Foto dann wieder weitergeleitet wird. Noch bevor der Betroffene seinen Vortrag beendet hat, lacht sich die ganze Schule über ihn schlapp. "Den Kindern muss klar gemacht werden, welchen Schaden sie mit so etwas anrichten", sagt Fröhlich. Den meisten sei das nicht bewusst, auch weil sie die Reaktion ihres Opfers gar nicht mitbekommen.

Auch die alten Schülerstreiche wie etwa Kreide auf den Lieblingsplatz des Lehrers zu schmieren, bekommen durch die neue Technik größere Wucht: Innerhalb von Sekunden sieht nicht nur die Klasse, sondern die ganze Schule den Fleck auf der Hose. "Es wird alles angestellt, was geht, und sogar noch ein bisschen mehr", sagt Philipp. Auch Spicken hat in Zeiten des Smartphones ganz neue Dimensionen bekommen: Hefteintrag oder Buchseiten fotografieren, "rechts einmal rüberwischen, das war's schon", sagt Sahin. Ihm selbst ist aber das Risiko zu groß, denn heute wie früher gilt: Wer erwischt wird, bekommt eine Sechs. Viele Lehrer sammeln die Handys ihrer Schüler vor Prüfungen deshalb ein und legen sie vorne aufs Pult. Allerdings kommt es nicht selten vor, dass Schüler brav ihr altes Tastenhandy abgeben und unter der Bank das internetfähige Smartphone liegt.

"Es ist schwierig, etwas zu verbieten, was aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken ist", sagt Fröhlich. Es komme darauf an, Missbrauch zu unterbinden und das Gerät auf sinnvoller Ebene interessant zu machen. Seine Schüler dürfen ihr Handy zum Beispiel nutzen, um im Physikunterricht die Zeit zu stoppen, die Autos brauchen, um eine bestimmte Strecke zurückzulegen. Aus diesen Daten berechnen die Jugendlichen dann die Geschwindigkeit. In den Fremdsprachen können Handys benutzt werden, um Interviews oder Theaterstücke aufzuzeichnen und anschließend die eigene Aussprache zu kontrollieren.

"Viele Lehrer wissen gar nicht, dass die Handys der Schüler im Unterricht genutzt werden dürfen", sagt Philipp. Der zweite Teil des Handyverbot-Gesetzes lässt aber genau das zu: "Die unterrichtende oder die außerhalb des Unterrichts Aufsicht führende Lehrkraft kann Ausnahmen gestatten."

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