Handwerk Dieser Mann verkauft Wurst mit Lavendel und Kokosflocken

Metzger Claus Böbel (rechts) geht beim Verkauf moderne Wege.

(Foto: Böbel/oh)

Der fränkische Metzger Claus Böbel verschickt extravagante Fleischwaren in die ganze Welt. Online ist er schon länger als Facebook oder Youtube.

Von Matthias Köpf, Georgensgmünd

Mit oder ohne Grün? Abgesehen von der pflichtschuldigen Erkundigung nach der gewünschten Gelbwurst hat die Farbe Grün im Metzgerhandwerk wenig zu suchen, und zwar schon immer. Bei Claus Böbel ist außer dem Fleisch und der Wurst praktisch alles grün. Nicht schon immer, aber gerade deswegen. Denn Böbel ist einer, der es anders macht.

Der eine grüne Metallfassade vor den Laden hängt und die Kunden durch ein Portal in Form eines ausgeschnittenen Schweins eintreten lässt. Der einen 24-Stunden- Wurstautomaten bestückt und seine Waren auch im grün lackierten "Wursttaxi" ausliefert. Und der seine Bratwürste über den eigenen, sehr grünen Online-Shop weltweit verkauft. Die Zutaten können sich die User teils selber zusammenklicken und sich sogar das Sauerkraut gleich mit hineinwursten lassen - wenn's sein muss auch mit Lavendel und Kokosflocken.

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Die 350 Einwohner von Rittersbach, Gemeinde Georgensgmünd, Landkreis Roth, verlangen so was eher nicht, und sein Vater, von dem er die Metzgerei 2008 übernommen hat, war von all dem auch nicht gleich immer begeistert. Aber von den paar Rittersbachern könnte Böbel mit seiner Frau Monika und ihren jeweils drei Mitarbeitern in Produktion und Verkauf längst nicht mehr leben.

Dafür lebt er jetzt von Kunden, die aus einem großen Umkreis hierher fahren, von den Teilnehmern seiner "WurstKurse" und "WurstErlebnisse", von "WurstVorträgen" und eben von den Online-Aktivitäten, mit denen er direkt die Hälfte seines Umsatzes macht und indirekt all die anderen Kunden gewinnt. Die Styroporschachteln mit Fleisch, Wurst und Kühlakkus sind meist am nächsten Werktag bei den Kunden in Deutschland. Nur die Exilfranken in Japan, Indien, den USA oder Jamaika, wohin er auch schon geliefert hat, müssen ein bisschen länger auf ihre Pakete aus der Heimat warten.

Wie er das alles macht, erzählt der 46-Jährige mit den nackenlangen Haaren immer wieder mal auf einem Podium, zuletzt beim Nahversorgungstag in Rosenheim. Dort hielten sich all die Anzugträger am Pult oder am Mikrofon fest, während Böbel mit einem eigenen Headset über die Bühne turnte, natürlich im böbelgrünen Hemd und zeitweise in Duett und Partnerlook mit Ehefrau Monika.

So könnte der fränkische Vielredner mindestens im Vorprogramm der üblichen Motivationsgurus durch die Stadthallen tingeln, aber bisher bevorzugt er ein Fachpublikum, an das sich auch sein Ratgeber-Buch "Der clevere Metzger" richtet. Wenn Böbel kein Franke, sondern Schwabe wäre, dann wäre für ihn wahrscheinlich die Bezeichnung Cleverle fällig, aber zur Marke macht sich der grüne Metzger auch so, der schon seit 1999 online ist, also ein paar Jahre länger als Youtube oder Twitter.

Im Gegensatz zur Industrie brauche es im Handwerk "Persönlichkeit statt Prozesse", und so spart Böbel auf umdiewurst.de weder mit dem eigenen Konterfei noch mit Fotos seiner Waren. Am Computer arbeitet er genauso viel wie in der Wurstküche, schreibt unablässig Blogs und Posts und beantwortet Fachfragen auch von Nicht-Kunden. Böbel bietet an, Salamischeiben nach Wunsch zu beschriften oder Firmenlogos auf Speckschwarten zu brennen und haut auch sonst auf die Pauke, denn - weiterer Merksatz: "Erst berühmt werden und dann reich". Er wäre bereit für Schritt zwei.

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