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Haftbefehl außer Vollzug:Baumers Ex-Verlobter auf freiem Fuß

Der 30-Jährige steht weiter unter dringendem Tatverdacht, einer jungen Frau ohne deren Wissen Medikamente verabreicht zu haben.

Zweimal saß Christian F. in Untersuchungshaft. Weil er verdächtigt wurde, seine Verlobte Maria Baumer umgebracht zu haben. Und wegen des Vorwurfs gefährlicher Körperverletzung. Jetzt ist er wieder frei, aber weiter unter Tatverdacht.

Von Wolfgang Wittl, Regensburg

Der frühere Verlobte der unter ungeklärten Umständen getöteten Maria Baumer befindet sich wieder auf freiem Fuß. Das Amtsgericht Regensburg hat den Haftbefehl gegen Christian F. am Montag außer Vollzug gesetzt. Zugleich bleibe der Haftbefehl allerdings aufrecht erhalten, teilte ein Gerichtssprecher mit.

Der 30-Jährige stehe weiter unter dringendem Tatverdacht, einer jungen Frau ohne deren Wissen Medikamente verabreicht zu haben. Die Staatsanwaltschaft wirft F. deshalb gefährliche Körperverletzung in zwei Fällen vor. Der Beschuldigte saß die vergangenen zwei Wochen in Untersuchungshaft.

Skelett wurde in einem Waldstück gefunden

Es ist bereits das zweite Mal, dass ein Gericht trotz massiver Vorwürfe der Ermittlungsbehörden F.s Freilassung anordnet. Im vergangenen Herbst hatte der Krankenpfleger sieben Wochen im Gefängnis verbracht, ehe eine Haftbeschwerde seines Anwalts Michael Haizmann vor dem Landgericht Regensburg erfolgreich war.

F. war verdächtigt worden, seine Verlobte Maria Baumer wenige Monate vor ihrer gemeinsamen Hochzeit umgebracht zu haben. Die damals 26 Jahre alte Vorsitzende der katholischen Landjugend in Bayern war Pfingsten 2012 spurlos verschwunden. F. soll als letzte Person aus dem Bekanntenkreis Kontakt zu ihr gehabt haben. Seine Verlobte habe ihm am Telefon plötzlich mitgeteilt, sie wolle eine Auszeit nehmen. 15 Monate später wurde Maria Baumers Skelett in einem Waldstück bei Regensburg gefunden. F. wurde festgenommen, die Vorwürfe reichten jedoch nicht für eine Anklage.

Unverhältnismäßig großer Druck auf den 30-Jährigen

Familienangehörige und Freunde hatten sich schon damals über das Vorgehen der Polizei beschwert, die sich ihrer Ansicht nach zu Unrecht auf F. als einzigen möglichen Täter festgelegt habe. Auch jetzt gibt es Vorwürfe, die Ermittler würden unverhältnismäßig großen Druck auf den 30-Jährigen und dessen Umfeld ausüben. "Durch ständig wiederholte Vorladungen, Anschuldigungen und Durchsuchungen" würde die Polizei "Angst und Schrecken verbreiten", heißt es in einer Stellungnahme von F.s Unterstützern. "Völlig haltlos" seien die erneuten Vorwürfe.

Der Beschluss des Amtsgerichts sieht nun vor, dass der Krankenpfleger ein Kontaktverbot zu der von ihm angeblich geschädigten jungen Frau einhalten müsse. Außerdem habe F. sich zweimal in der Woche bei der Polizei zu melden. Sein Rechtsanwalt zeigte sich davon überrascht. Die Meldeauflage sei nicht abgesprochen gewesen, sagte Michael Haizmann. Er werde sich mit seinem Mandanten beraten, ob man dagegen vorgehen werde.

© SZ vom 17.06.2014/ahem
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