Das harmlos klingende Wort Haberfeldtreiben verschleiert, dass ein Brauch dahintersteckt, der einst viele Menschen erbarmungslos bloßgestellt hat. Deutlich wird das in der zweiten Folge von Willy Puruckers preisgekröntem Hörspiel „Die Grandauers und ihre Zeit“. Dort wird geschildert, wie der junge Wachtmeister Ludwig Grandauer und dessen Kollege Meyerl im Oktober 1893 in das Dorf Bergham beordert werden. Sie sollen dem Haberfeldtreiben Einhalt gebieten, kurz vorher war ein Gendarm bei einem solchen Spektakel angeschossen worden. Den beiden Männern schlägt jedoch Feindseligkeit entgegen. Nur Agnes, die Bedienung im Dorfwirtshaus, wird zutraulich, bandelt mit Grandauer an und erwartet alsbald ein Kind von ihm. Daraufhin wird Agnes von den Dorfbewohnern geschmäht, beschimpft und bei einem Haberfeldtreiben aus dem Dorf gejagt.
Mythos und TraditionDie Geschichte des Haberfeldtreibens, bei dem Menschen öffentlich gerügt werden
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So hat der Zeichner Oskar Gräf im Jahr 1895 für die Illustrierte „Die Gartenlaube“ ein Haberfeldtreiben dargestellt.
SZ PhotoDas jüngst erfolgte Vordringen von Tierrechtsaktivisten auf den Hof des Agrarfunktionärs Günther Felßner erinnert an einen aggressiven Rügebrauch, der das ländliche Bayern über Jahrhunderte hinweg geprägt hat. Am Ende gab es häufig nur Verlierer.
Von Hans Kratzer
