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Gymnasium in Bayern:Ohne eine Reform ist das G 9 kaum denkbar

Abiturprüfung 2016

Abitur nach acht oder neun Jahren? Die meisten Schulen werden sich wohl für die längere Variante entscheiden.

(Foto: dpa)

Der alte Weg, in neun Jahren zum Abitur zu kommen, ist nicht mehr zeitgemäß. Die CSU muss bis zur Einführung der Wahlfreiheit die Zeit nutzen, um ein echtes G 9 zu entwickeln.

Es hätte alles so einfach sein können: Ministerpräsident Horst Seehofer hätte das G 9 wieder einführen können, weil er im Grunde selbst davon überzeugt ist. Dank und Wählerstimmen von Lehrern und Eltern wären ihm sicher gewesen. Diese sind sich einig, dass Lernen im neunjährigen Gymnasium für die meisten Schüler nur Vorteile hat. Die CSU-Fraktion aber wollte am G 8 schon aus Prinzip festhalten, weil sie sich 13 Jahre dafür hat prügeln lassen. Nun ist ein Kompromiss herausgekommen: Die Schulen sollen selbst entscheiden. Das dürfte dem Bürgerversteher Seehofer gefallen. Denn das Ergebnis ist absehbar: Es wird in Bayern von 2018 an fast nur noch G-9-Schulen geben.

Die CSU muss die Zeit nutzen, um ein echtes G 9 zu entwickeln. Nur das kann Ruhe in die Schulen bringen. Es wäre Quatsch, die Mittelstufe Plus für alle Gymnasien einzuführen. Das Modell ist zu kompliziert und wirft Probleme auf: Die Mittlere Reife gibt es erst nach elf Jahren, entlastet werden die Schüler allenfalls in der Mittelstufe. Ohne eine Reform des Lehrplans ist das neue G 9 dennoch kaum denkbar. Der Lehrplan Plus für das G 8 soll 2017 in die Gymnasien kommen. Noch ist also Zeit, ihn umzuarbeiten und den Stoff auf neun Jahre zu verteilen.

Auch eine Rückkehr zum G 9 mit Schulschluss um 13 Uhr wäre nicht mehr zeitgemäß. Der Ausbau des Ganztagsunterrichts in Bayern ist teuer, wie es mit ihm weitergeht, wenn das G 9 kommt, ist offen. Aber viele Eltern wollen und brauchen beides: entspannteres Lernen im G 9 und Betreuung bis in den Nachmittag. Eine Lösung könnten freiwillige Schulangebote sein. Hessische Gymnasien haben die Vereine in die Schulen geholt und bieten nachmittags Sport, Musik und vieles mehr an. Davon könnten die Vereine profitieren, die über Mitgliederschwund klagten und den Nachmittagsunterricht des G 8 dafür verantwortlich machten. Basketball in der 9. Stunde ist eben nicht Latein. Dafür bleibt man auch gerne mal bis 17 Uhr - und ein Jahr länger in der Schule.

© SZ vom 02.08.2016/axi
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Gymnasien

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